22. August 2013

Feuchtgebiete

FeuchtgebieteMan­che Bücher sollte man bes­ser nicht gele­sen haben. Char­lotte Roches sinn­be­freite Hirn­aus­schei­dun­gen zum Bei­spiel. Da wäre der (am 18. Sep­tem­ber 2014 im Kino star­tende) auto­bio­gra­fi­sche Selbst­the­ra­pie­rungs­ver­such „Schoß­ge­bete“; oder ihr noch plum­pe­rer Tabu­bruch „Feucht­ge­biete“. Die Kal­ku­la­tio­nen gin­gen auf. Nun ist fürs Erste Helen Memels Anal­fis­sur zu bestau­nen — dabei hat der Best­sel­ler des Jah­res 2008 in sei­ner Ver­fil­mung über­ra­schen­der­weise eini­ges mehr zu bie­ten als puren Ekel.

Was nicht hei­ßen soll, dass David Wnendt sein Publi­kum schont: Für die ganz har­ten Sze­nen holt sich der Regis­seur mit Conny Dachs sogar Ver­stär­kung aus der Porno-​​Branche. Und die miss­glückte Intim­ra­sur schmerzt schon beim Hin­schauen! Im Kran­ken­bett wit­tert Helen (Carla Juri, bei der irri­tie­ren­der­weise gele­gent­lich ihr Schwei­zer Akzent durch­bricht) die Chance, ihre geschie­de­nen Eltern (Meret Becker und Axel Mil­berg) wie­der zu ver­ei­nen und ver­knallt sich dabei in den feschen Pfle­ger Robin (Chris­toph Let­kow­ski). Zwi­schen­durch mas­tur­biert die 18-​​Jährige mit Avo­ca­do­ker­nen, refe­riert über Muschisch­leim und erzählt rück­bli­ckend, warum Kör­per­hy­giene bei ihr ganz klein­ge­schrie­ben wird.

Wäh­rend die Ado­les­zenz im Roman ledig­lich Pro­jek­ti­ons­flä­che für Roches Pro­vo­ka­tio­nen dar­stellt, ist sie bei Wnendt Dreh– und Angel­punkt des Psy­cho­gramms, das in einem Bil­der­rausch à la „Train­spot­ting“ vor­über­zieht. Viel­leicht war seit „Lola rennt“ kein deut­scher Film mehr so fabel­haft und stil­be­wusst ins Bild gesetzt wie die Geschichte der Hämorrhoiden-​​Amélie.