12. September 2013

3096 Tage

3096 TageDie Geschichte der Nata­scha Kam­pusch kennt viele Wahr­hei­ten. Ihre Mut­ter schrieb von den „Ver­zwei­fel­ten Jah­ren“ und stellte Toch­ter wie Vater öffent­lich bloß; der zwei­felt wie­derum an der Rea­li­tätstreue der Schil­de­run­gen, wie sie in der Kampusch-​​Autobiografie „3096 Tage“ ste­hen, die Sherry Hor­mann als ein­dring­li­ches Kam­mer­spiel fürs Kino (Con­stan­tin Film) adap­tiert hat.

Nach einer geschick­ten Ein­lei­tung erzählt sie die Chro­no­lo­gie des Ent­füh­rungs­dra­mas um Nata­scha (Ame­lia Pidgeon/​Antonia Campbell-​​Hughes), die am 2. März 1998 zehn­jäh­rig auf dem Schul­weg vom arbeits­lo­sen Nach­rich­ten­tech­ni­ker Wolf­gang Prik­lo­pil (Thure Lind­hardt) gekid­nappt und unter einem bür­ger­li­chen Wie­ner Vor­stadt­haus ins Kel­ler­ver­lies gesperrt wird, das keine fünf Qua­drat­me­ter misst. Acht­ein­halb Jahre muss sie als Ersatz­ge­fähr­tin und –gespie­lin her­hal­ten bis 2006 die „Selbst­be­frei­ung“ von ihrem Pei­ni­ger gelingt, der sich anschlie­ßend vor einen Zug wirft.

Ohne sie zu heroi­sie­ren und ihn zu dämo­ni­sie­ren filmt Hor­mann nach einem noch von Bernd Eichin­ger begon­ne­nen Dreh­buch bei­nahe doku­men­ta­risch den zer­mür­ben­den All­tag in der klaus­tro­pho­bi­schen Enge, die Drang­sa­lie­run­gen, den Psy­cho­ter­ror („Gehor­che, gehor­che, gehor­che!“), das sexu­elle Aus­ge­lie­fert­sein, die Hun­ger­fol­ter und das gezwun­ge­ner­ma­ßen bizarre Bezie­hungs­ge­flecht zwi­schen Opfer und Täter.