Karlsruhe — „Hail To The Freaks“! Wer die Berliner Beatsteaks kennt, konnte ahnen, was diese Jungs bei ihrem „Fest“-Gig auf der Bühne und davor anrichten würden. Da weiß nicht nur Jane nicht mehr, wo ihr der Kopf steht: Offizielle 80.000 feiern am Samstagabend einen der fettesten Auftritte, die „Das Fest“ in seiner 23-jährigen Geschichte erlebt hat. Hier bin ich Steak, hier will ich rein! Unmittelbar vor der Musikbühne bleibt das Sound-Gebrutzel jedoch nicht ohne Folge.
Karlsruhe — Zwei Musikbühnen-Top-Acts aus zwei Jahrzehnten und einer Dekade dazwischen eröffnen gestern den „Fest“-Freitag. Zuerst haben Pink Cream 69 ihr Heimspiel. Und das sitzt. Immer noch. Warum sonst können sich die fünf selbst von der jungen Sunrise Avenue–Anhängerschaft abfeiern lassen, die längst sehnsüchtig harrend um halb acht die ersten Reihen in Beschlag genommen hat. Und es gibt zumindest einen guten Grund dafür, dass der Einheitsgrößen-Rock der Pinkies so gut ankommt: Denn es schwirrt völlig unerwartet ein Hauch „Verklärte Nacht“ durch den frühen Abend.
Karlsruhe — „Would You Fuck Me For Blow?“ Na klar doch und da stehn sie nun; zwei gut gewachsene Schönheiten an der Schwelle zur Volljährigkeit, die Kurven schon an den rechten Stellen, der Rock zu kurz, das Höschen zuhause, der Sommer dummerweise vorübergehend ebenfalls nicht anwesend und weit und breit kein Jimmy Pop.
Karlsruhe — „Der rockmusikalische ‚Fest’-Höhepunkt“ war es für Organisator Rolf Fluhrer und sein „schwierigstes Booking“ überhaupt: Skin zum Abschluss am Sonntagabend. Zuvor hatte die Berliner Dancehall-Kapelle Culcha Candela den Hügel mächtig angeheizt; doch der Gig 2006 schlechthin ging an ganz anderer Stelle über die Bühne.
Karlsruhe — Wie viele Menschen passen eigentlich auf eine 1,5 Kilometer lange und 300 Meter breite Fläche? Mehr als man denkt. So viel steht fest. Wer vermag schon zu sagen, welche Unmenge sich am gestrigen „Fest“-Samstag in die Günther-Klotz-Anlage gequetscht hat? Doch das mit gutem Grund: Headliner Seeed, dazu als Appetizer den englischen Drum ‚n’ Bass-Dreier Kosheen. Berlin, Bristol und die Massen, vereint im Bass, sorgen für neue Superlative in der „Fest“-Geschichte.
Karlsruhe — „Wir gehoeren dazu!“ ist das Motto der Stunde. Aber mit den Familienbanden ist das ja so eine Sache. Man kommt nur schwer hinein. Die Engländer New Model Army sind seit vielen Jahren schon Bestandteil dieser vergleichsweise kleinen, aber feinen „Fest“-Gemeinschaft. Am gestrigen Freitag, zum Auftakt des wahren größten Umsonst-und-draußen-Festivals Süddeutschlands, prangte endlich das Grand Hotel van Cleef–Banner auf der Bühne. Mit den Hamburgern Kettcar hat sich ein Neuling zum Vorspiel angekündigt.
Karlsruhe — Die Zeit für Optimisten war angebrochen gestern Abend in der Günther-Klotz-Anlage. Durfte Eduardo Bennato seinen Italo-Rock noch bei leichtem Nieselregen vortragen, zogen — je näher der Silbermond ans Firmament rückte — dunkle Regenwolken auf. „Verklärte Nacht“ mal wieder ganz anders.
24. Juli 2005
Es war Juli: Die perfekte Welle schwappt über den Hügel
Karlsruhe — Standesgemäß wurd’s am „Fest“-Samstag nach einem doch mäßigen Musikbühnen-Auftakt: Es ward Juli vor dem Hügel, die „Klotze“ zum Bersten gefüllt und sogar das „Experiment Within Temptation“ — wie Organisator Rolf Fluhrer es so hübsch betitelt — gelingt.
2. Juli 2005
Be A Bongostar: 43 Talente und ein Traum
Karlsruhe — Jeder redet vom Artist Developement, aber keiner macht’s. Keiner? Nicht ganz. Im beschaulichen Durlach hat sich das Bongostar College Of Music And Entertainment aufgemacht, jungen Gesangstalenten eine echte Chance zu geben. „Eigentlich wäre die Talent-Sichtung Aufgabe der großen Labels, aber die wollen und können das heute nicht mehr leisten. Dabei haben viele junge Leute das Potential zu einer Karriere im Musikbusiness, scheitern aber am mangelnden Konzept und fehlender Förderung.“
Karlsruhe — „Ich weiß auch nicht, warum wir immer wieder mit den Onkelz verglichen werden. Vielleicht liegt es daran, dass wir dieselben Akkorde spielen“, mutmaßte einst Hosen-Frontmann Campino. Nein, sonderlich viel mehr gemeinsam haben sie wirklich nicht. Außer einer Sache vielleicht.
Karlsruhe — Mittwochabend, irgendwo im Oberreuter Szene-Ghetto. Ein schrilles Läuten unterbricht den gepflegten Chill. Einmal, zweimal, dann erreicht die Hand den Hörer: „Hallo?“ „Icke bin’s.“ „Alles klar, wie geht’s dir?“ „Was’n los, Alter?“ „Ich bin gleich unterwegs zu dir.“ „Wo bist du grade?“ „Ich bin grad aufm Weg aus der Südstadt zu dir, Alter.“ „Okay. Was macht deine Bitch?“ „Sie hat gesagt sie ruft mich an, aber sie hat kein Guthaben mehr drauf.“ „Sowieso, wie immer, Alter. Was machen wir?“ „Na, was machen wir wohl?“ „Gangbang?“ „Alter, nein, Deutsch-Rap, Alter! Heute Abend will auch Durlach „Electro Ghetto“ werden — und Bushido weiß wie!“
