2. September 2009

Der letzte Aufrüster

Plattnerwerkstatt Bruch­sal — Män­ner sei­nen Schlags gibt es nicht mehr viele. Peter Mül­ler ist Platt­ner. Der Kunst der Har­nisch­her­stel­lung hat sich der gelernte Werk­zeug­ma­cher und pas­sio­nierte Rol­len­spie­ler 2000 ver­schrie­ben; vier Jahre spä­ter beschließt er nicht nur sein Maschi­nen­bau­stu­dium mit der Pro­mo­tion, son­dern oben­drein, eine pro­fes­sio­nelle Platt­ner­werk­statt zu eröffnen.


Kangaroo Digital AudioKarlsdorf-​​Neuthard — Warum aus­ge­rech­net das beschau­li­che Karls­dorf zu einem Mekka der Ton­stu­dios gewor­den ist, das wis­sen die Zanki-​​Brüder auch nicht. Gleich sechs Stück wer­keln mitt­ler­weile in der 10.000-Seelen-Gemeinde mit dem güns­tig gele­ge­nen Auto­bahn­an­schluss — und sie, die einst aus dem kroa­ti­schen Zadar ins Bruch­sa­ler Umland über­ge­sie­delt sind, waren die ersten.


Verlag RegionalkulturUbstadt-​​Weiher — Beim Ver­lag Regio­nal­kul­tur ist der Name Pro­gramm. 500 lie­fer­bare Titel zuvor star­ten Andrea Sitz­ler, Rei­ner Schmidt und der aus dem ope­ra­ti­ven Geschäft aus­ge­stie­gene Bern­hard Stier im Jahr 1989 als klas­si­sche Gara­gen­grün­der. Zu einer Zeit, da das Schlag­wort Desk­top Publis­hing, die Satz­tech­nik via PC, noch etwas völ­lig Neues ist, arbei­tet das Trio mit 1.0-Software und viel Enthu­si­as­mus am eige­nen Verlagshaus.


Harald HurstEtt­lin­gen — „Hei­mat isch dort, wo aim d’Leut so gut verschteh’n, dass mer manchmol scho beim Schwätze merkt, s’wär bes­ser g’wese, mer hätt’s Maul g’halte.“ Sagt er. Und doch hält er sich nur sel­ten daran. Harald Hurst bab­belt viel lie­ber, wie ihm der Schna­bel gewach­sen ist. Tun natür­lich die meis­ten im Ländle. Er hin­ge­gen spricht nicht nur im Dia­lekt, er bringt ihn auch gekonnt zu Papier: schnodd­rig und doch blitz­ge­scheit, mal hin­ter­fot­zig, dann wie­der augen­zwin­kernd. Aber eben nie­mals volks­tüm­lich. Mundart-​​Dichter, ganz all­ge­mein gespro­chen Schrift­stel­ler, Geschich­ten­er­zäh­ler oder doch viel­leicht Wör­ter­clown und Lach­poet per Selbstdefinition?


Wald­bronn — Vom Tel­ler­wä­scher zum Mil­lio­när, das gibt’s nor­ma­ler­weise nur im Mär­chen. Oder es muss eine gehö­rige Por­tion Magie im Spiel sein — wie im Falle von Simon Pierro. Und darin ist er Experte, erwie­se­ner­ma­ßen: Deut­scher Meis­ter der Zau­ber­kunst, Magier des Jah­res, Gewin­ner der „Gol­de­nen Ringe“ von Lau­sanne, Vize-​​Weltmeister der all­ge­mei­nen Magie und Gewin­ner des „Sieg­fried & Roy-​​Award“. „The Ame­ri­can Dream — Vom Tel­ler­wä­scher zum Mil­lio­när“ heißt Pier­ros Zau­ber­show, mit wel­cher der heute 26-​​jährige Wald­bron­ner die Jury in Über­see im ver­gan­ge­nen Jahr nach­hal­tig zu beein­dru­cken wusste.


Karls­ruhe — Eigent­lich wollte sie ja Opern-​​Sängerin wer­den, „aber für die Tenöre war ich zu groß, für die Inten­dan­ten dann doch ein wenig zu blond und für die Regis­seure hatte ich zu wenig Figur“, koket­tiert Annette Pos­tel heute im Blick zurück. Geschafft hat sie es den­noch — wenn­gleich ihr der­zei­ti­ges Enga­ge­ment an der Frank­fur­ter Kammer-​​Oper nur eine Art Neben­be­schäf­ti­gung ist. Einen Namen gemacht hat sich die Wahl-​​Karlsruherin viel­mehr als Chanteuse.


Karls­ruhe — Er ist blond. Doch wer ist das nicht. Er spielt vor­züg­lich Kla­vier. Tun viele. Und er ver­eint oben­drein auch pfif­fi­gen Lie­der­ma­cher, tra­shi­gen Pup­pen­spie­ler sowie blitz­ge­schei­ten Kaba­ret­tis­ten unter sei­nem sem­mel­blon­den Haupt. Da wird der Kreis schon ein wenig erlauch­ter; in der Region alle­mal. Und das macht er sogar der­ma­ßen gut, dass ihn das Land Baden-​​Württemberg vor gut zwei Jah­ren für schul­dig emp­foh­len und sein Ant­litz fol­ge­rich­tig mit dem Klein­kunst­preis ver­ziert hat. Und schon hat­ten Musik-​​Kabarettist Gunzi Heil und der Geheim­tipp nur­mehr den Anfangs­buch­sta­ben gemein.


Karls­ruhe — Wie es sich als Schrift­stel­ler im beschau­li­chen Karls­ruhe lebt? „Schlecht, aber gut.“ Stan­dard­ant­wort. Da muss er nicht lang nach­den­ken. Die ers­ten Ver­su­che als Schrei­ber datie­ren noch aus sei­ner Zeit in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Heil­bronn — längst Geschichte. Dort ver­öf­fent­licht er in der Gefan­ge­nen­zei­tung „ZU“ seine ers­ten Zei­len. Dass er mal im Knast war, dar­aus hat Kuno Bären­bold nie einen Hehl gemacht. Nur das Warum muss er nach so vie­len Som­mern nicht mehr jeder­mann auf die Nase bin­den. Warum sollte er auch oder ist der Grund sei­ner Inhaf­tie­rung wirk­lich von Belang? Dem Mann mit dem mar­kan­ten bogen­för­mi­gen Schnauz­bart jeden­falls, den sie so lie­be­voll Kuno­bär nen­nen, kommt es auf etwas ganz ande­res an.


Rainer LangeKarls­ruhe — Man war schon immer ein wenig anders als andere Bands. Die Rede ist vom Karls­ru­her Trio Tri­gon und ihrer Stil­krea­tion des Heavy-​​Zen-​​Jazz. Der geneigte Fan wird’s wis­sen und wem es bis­lang ver­bor­gen blieb: Die Drei haben ihre Not kur­zer­hand zur Tugend gemacht, denn der Gesangs­part spielt bei Tri­gon seit jeher zweite Geige; auf Vocals wird gänz­lich ver­zich­tet: „Sin­gen darf bei uns nur die Gitarre“, so die Impro­vi­sa­ti­ons­künst­ler um Trigon-​​Gitarrero Rai­ner Lange. „Zumin­dest was die grund­le­gen­den Riffs angeht, pla­nen wir. 70 Pro­zent ist aus dem Steg­reif“, erklärt der Heavy-​​Zen-​​Jazzer die Band-​​Philosophie.


19. Dezember 2001

Seán Treacy, Musiker

Seán TreacyKarls­ruhe — „Nimm dir gute Songs und mache sie noch bes­ser als das Ori­gi­nal.“ Das ist sein Credo. Er stand Anfang der 80er schon gemein­sam mit den Dub­li­ners und den Wolf­to­nes auf der Bühne und nun soll mit der neuen CD „Drop In The Ocean“ end­lich der musi­ka­li­sche Durch­bruch gelin­gen. Annä­hernd 15 Jahre ist es her, dass der wohl popu­lärste Ire Karls­ru­hes seine Hei­mat Kil­kenny ver­ließ, um in Deutsch­land als Musi­ker Kar­riere zu machen. Und zwei­tens als man denkt.