"Bloß a bissele quedsche", dann wird aus dem breitesten Schwäbisch Badisch astrein. So lehrt's uns de Hurschde Harald. Den verstehen aber auch nur die wenigsten: Denn über 75 Millionen Deutsche können gar kein Badisch. Wer der berühmt gewordenen Aufforderung von "SWR3-Latenight"-Moderator Pierre M. Krause ins seiner Funktion als Supermarktfilialleiter folgen möchten, kann jetzt nachschlagen. Denn Bernd Siemers hat "De Karlsruher uff d'Labb guggt" (Info Verlag).Für sein Brigande-Werderbiechle hat der Lehrer den hiesigen Wortschatz analysiert und ins Hochdeutsche übersetzt, vom "Aai" bis zum "Zwuggl". Aufgenommen zu d' Karlsruherische Schbroochkreatione sind auch "franzeesische Wörder, die sich vom Elsass aus eibirgerd hen", wie zum Beispiel d'Bagasch, s'Blafo, s'Droddwar, de Schäslong oder redur und wisawi.
Eigene Kapitelen bekommen auf den 60 Seiten d'Redewendunge ("Mir isch's dabbich", "Du kannsch me am Hahne bimble"), d'Staddaailbewohner, s' Zungedräning ("Zwaai waaiche Aaier in aainere Raaih") und andere Aaigehaaide wie d' Kallsruher Blural, d' Akkusadiv oders Reladivbronome. Un Seller, der wo jezad allridd die Grumbiere newe die Zwiwwele stelle dud, isch un bleibt hald en greizdämlicher Labbeduddl.Labels: Buch
Was reden wir uns eigentlich den ganzen Tag zusammen, wenn wir so reden, wie wir reden? Das hat sich Christoph Gutknecht, Professor der Linguistik an der Universität Hamburg, gefragt und in seinem Buch "Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit - Die verrücktesten Wörter im Deutschen" (C.H. Beck Verlag) allerlei interessante Antworten zusammengetragen.Wir verhonepipeln und verhunzen bis hin zum Treppenwitz; ein anderer verbittet es sich, einen Türken gebaut zu bekommen; die oberen Zehntausend feiern bis in die Puppen, während für die da unten Sauregurkenzeit angesagt ist - also höchste Eisenbahn fürs Ei des Columbus. Es gibt im Deutschen manches, das man nur schwer etymologisch herleiten kann. Die Worte haben im Laufe der Geschichte ihre Bedeutung verändert, so dass man ohne Kenntnis der Kulturgeschichte keine Ahnung hat, wovon da eigentlich die Rede ist: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts" mehr.
Gutknecht geht diesem Wandel der Sprache nach, reitet dabei aber nicht die populäre Welle der Spracherzieher Bastian Sick oder Wolf Schneider. Er zielt auf das Hintergründige von Wörtern wie Phrasen; darauf, dass sie in ihrem historischen Verlauf semantisch "ver-rückt" sind - und zuweilen auch nicht mehr verwendet werden sollten: sei es der durchs NS-Regime geprägte Ausdruck Journaille, mit dem sich manch Nachrichtenmensch in seiner Redaktionsstube bis heute unwissentlich einer journalistischen Canaille zuschreibt; oder den Ausdruck Kümmeltürke, der ursprünglich mal einen Studenten aus Halle bezeichnet hat.
Seinen mitunter etwas wissenschaftlich-staubigen Streifzug durch die Sprachgeschichte belegt Gutknecht mit Abbildungen quer durch die Jahrhunderte und Beispielen aus der Tages- wie Wochenpresse, zitiert auf den 236 Seiten aber auch vielfach Lexika, Wörterbücher, Schnitzler, Goethe, Kraus und Lessing. Und während sich die (auch deshalb etwas versprengten) Ergebnisse präsentieren, gelingt es dem Redensarten-Rechercheur doch noch, seinem Leser ein Sick'sches Schmunzeln zu entlocken: "Ein bisschen Spaß" muss schließlich sein! Auch wenn die deutsche Sprache "ein Stück weit" mehr ist als höherer Blödsinn.Labels: Buch
Das Imperium schlägt zurück: "Raubkopierer sind Verbrecher", stellt die Gesellschaft Zukunft Kino Marketing arglose Gelegenheitssauger an den Pranger. "Hart aber gerecht"? Die Staatsanwaltschaften jedenfalls verweigern sich mehr und mehr dem Abmahnwahn, während Video-On-Demand-Plattformen langsam an Fahrt gewinnen. Wie wird sich die Filmwirtschaft bis zum Jahr 2015 entwickeln? Auf welchen Medien werden die Bewegtbilder dann konsumiert? Und welche Auswirkungen haben diese Trends auf Produktion und Vertrieb von Filminhalten? Diesen und anderen "Moviesionen" geht der Karlsruher Soziologe und Vorstand des hiesigen Filmboards, Oliver Langewitz, in seiner Promotionsschrift "Die Filmgesellschaft" (Cuvillier Verlag) nach.Die "Entwicklung einer kommunikationssoziologischen Austauschtheorie am Beispiel interdependenter Kommunikationen zwischen Akteuren im Filmsystem" gibt der Untertitel als wissenschaftliches Ziel vor. Dieses verlangt im ersten Teil des Buches nach einem theoretischen Gerüst über die Strukturen des deutschen Wirtschaftssystems; dann skizziert Langewitz mithilfe der Soziologen Talcott Parson, Max Weber, Niklas Luhmann, Jürgen Habermas und Kommunikationswissenschaftlern wie Paul Watzlawick, George Herbert Mead, Michael Schenk, Elihu Katz oder Paul Lazarsfeld die soziale Interaktion zwischen Menschen.
Für diese Kapitel ist denn auch ein wenig Vorbildung in Sachen soziologischer und kommunikationswissenschaftlicher Theoriekonzepte zwischen Behaviorismus, symbolischem Interaktionismus, Netzwerkanalysen und den Methoden der Medienwirkungsforschung gefragt. 358 Seiten lassen aber auch dem ungeübten Leser Einarbeitungszeit, um sich mit dem Soziologendeutsch vertraut zu machen; wobei Langewitz das Bemühen um ein - so weit es die Wissenschaft zulässt - allgemeinverständliches Vokabular anzurechnen ist.
Wie ist es um die Zukunft des Kinos bestellt?
Dann beginnt es, spannend zu werden: Aus den Vorarbeiten entwickelt der Doktorand eine kommunikationssoziologische Austauschtheorie. Mit dieser lassen sich gerade auch massenmedial gestützte Prozesse im Filmsystem erklären, in dem eine Vielzahl unterschiedlichster Akteure (von Autor über Produzent, Regisseur, Schauspieler bis hin zum Verleiher und schließlich dem Rezipienten) in Kontakt treten, wobei sowohl kulturelle als auch ökonomische und soziale Werte die Seite wechseln.
Seine Erkenntnisse wendet der Autor im zweiten Teil empirisch auf die deutsche Filmwirtschaft an: Der Konsumenten- folgt eine Produzenten- und schließlich eine in zwei Wellen erhobene Delphi-Befragung zur "Entwicklung der deutschen Filmbranche". Zu Beginn seiner Studie hat Langewitz in ganz Deutschland Internetnutzer zu ihrem Rezeptionsverhalten von Filmen befragt und daran anknüpfend ein Produktionsnetzwerk untersucht, an welchem jetzt abzulesen ist, wie sich die Strukturen im Filmbusiness gliedern.
Um die Ergebnisse zu festigen und die Arbeit um Prognosen zu erweitern, wurden Kenner des deutschen Filmsystems - Geschäftsführer von Filmförderinstitutionen, Produktionsfirmen und Filmwissenschaftler - per Fragebogen interviewt. Diese sollten zu einzelnen Themenkomplexen Stellung nehmen und auch möglichen Entwicklungstendenzen bewerten, um eine Prognose über die deutsche Filmwirtschaft im Jahr 2015 zu geben. Die Antworten werden dann verglichen und in Beziehung gesetzt.
Die Gretchenfrage des Filesharings
Gerade der empirische Teil dürfte damit auch für die Nicht-Soziologen unter den Cineasten spannende und aufschlussreiche Lektüre sein: Was sind die Kriterien für die Wahl eines Kinofilms? Welche Rollen spielen dabei Genre oder Movie-Star? Welcher Akteur zieht Publikum? Wie steht es um die Chancen für Berufseinsteiger? Wie ist es um die Zukunft des Kinos bestellt? Und beim leidigen Thema Filmpiraterie angekommen, stellt Langewitz die Gretchenfrage, ob ein über illegale Kanäle besorgter Streifen überhaupt auf legalem Wege erstanden worden wäre, um ihn zu sehen.
Die Experten - so viel sei vorweggenommen - stellen nur eine "geringe Destabilisierung" des Filmsystems fest; andererseits werden nach ihrer Einschätzung künftig Kinobesuche ab- und die Nutzung von Video-On-Demand, Download-To-Own und Video-On-Sale-Angeboten zunehmen. Das umstrittene Rieplsche Gesetz von der Komplementarität der Medien (wonach alte, einfache Medien durch moderne und höher entwickelte "niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt werden können, sondern sich neben diesen erhalten") wird wieder greifen.
Dafür sorgt seit 1913 der schöne Zusatz "dass sie genötigt werden können, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen". Wie die aussehen sollen, wollte Langewitz' Untersuchung leider nicht in Erfahrung bringen. Eine Unterhaltungsfilmindustrie, die die Zeichen der Zeit viel zu spät erkannt und entsprechende digitale Offerten gemacht hat, würde in mangels Publikumsinteresse unbespielbaren Multiplex-Sälen zwischen Hungertuch und roten Samtbezügen jedenfalls mehr recht als schlecht Unterschlupf finden...Labels: Buch
Einzig der Schnaps sei diabolisch Werk(zeug), dachten wir ganz Udo-hörig immer. Nun ist aber Zoran Petrovic ein anerkannter Karikaturist, weshalb sein Cover-Artwork von "Teuflisch gute Weine. 28 große Châteaux und Domainen" (Cave Bordelaise) auch keine neuen Wahrheiten aus dem Kellergewölbe holen möchte. Schon eher die edlen Tropfen selbst, und zwar mit allem, was sie vor dem Trunk umkleidet.Dass Weinflaschen-Etiketten von Künstlern entworfen werden, ist seit Jahrzehnten Tradition. Dass sich aber auch der hölzerne Weinschrein, in dem die Kostbarkeiten jahrzehntelang in Weinkellern gelagert werden, als Kunstobjekt geradezu anbietet, darauf kamen Petrovic und der Weinkenner wie eifrige -sammler Beck Hans-Peter Beck.
Gemeinsam wählten die beiden Karlsruher 28 weltberühmte Châteaux und Domainen aus, die Weine von "entwaffnend betörenden Qualitäten" erzeugen. Beck beschreibt mit wenigen prägnanten Worten Herkunft und sinnliche Beschaffenheiten von Château Latour, Haut-Brion, Petrus, Mouton- und Lafite-Rothschild oder dem titelbildenden Château Smith Haut Lafitte, während der Grafiker und Karikaturist Petrovic das Vergorene im Bild festhält, die Extravaganzen und Besessenheiten von Weinerzeugern und -liebhabern pointiert illustriert und somit zu einem trockenen Vergnügen für Wein- wie Kunstkenner macht.
Und "ich hör schon wie der Teufel lacht..."? Beruhigung verschafft das Abendmahl: "Gepriesen bist du Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. "Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstockes und der menschlichen Arbeit." Santé! Wäre auch das geklärt.Labels: Buch
Noch dieses eine Büchle im Dialekt hat er uns versprochen, "dann werde ich mich erst einmal wieder dem Schriftdeutsch zuwenden". Ins Betuliche, Biedermeierliche, Selbstbeschränkte fürchtet er sonst abzugleiten, wie so viele seiner im Dialekt schreibenden Kollegen. Seit kurzem erfreut Harald Hurst mit "Des elend schöne Lebe" (G. Braun Verlag) - zum wohl vorerst letzten Mal mit "Geschichten und Gedichten" in Mundart.Vom "Herrn Sohn" hat's der König der Babbler etwa im Laufe der 152 Seiten, der im Luxus-Einzelzimmer mit ISDN-Anschluss wohnt; oder über den nicht nur von seinen Lesungen bestbekannten Besucher des "An de Fusionsgrenz" gelegenen Landhauses Schnepf, der die schwäbischen Gastesser belauscht.
Über 90 Seiten Prosa vom "Elend schöne Lebe" und heimischen Dia-Abenden mit Freunden, turbulenten Paar-Urlauben in Tossa de Mar und feucht-fröhlichen Marktfesten in geselliger Runde. Auch hier fördert er sie zutage, die Untiefen menschlicher Beziehungskonstellationen. Höhepunkt ist aber die "Saumäßig lange Kompakt-G'schicht vom Fernweh un vom Bleibe", ein hintergründiges Stück "üwers Verraise uns Dohoimbleibe; üwer Leut, die viel rumkomme und doch ned vom Fleck".
Und es sind immer noch unsere Geschichten, die er erzählt, G'schichte von de Leut halt. Hinter Hursts Komik steckt aber weit mehr: Entlarvung, Selbstironie, Schwermut. Wer über seine Jedermenschen lacht, amüsiert sich über Nebenfrau samt Nebenmann. Und mit einem Mal macht sich wieder diese bitter-süße Erkenntnis breit, dass man es vielleicht selbst sein könnte, der in ihrer Mitte Platz genommen hat.
War's das? Müssen wir künftig in die heimische Bibliothek greifen, um "So e Glück!" zu finden? "Daß i net lach!". Oder doch? "Komm, geh fort", bleib do. Un merci fürs finale grande! Vorerschd.Labels: Buch
"Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist." Jean Anthelme Brillat-Savarins Ausspruch klärt, warum die Promi-Küchenmeister im Gefolge von "Alfredissimo" ihre Sendeplätze sicher haben. Doch was tut ein Heinz Fenrich, wenn Gattin Gaby der Sinn nach kalter Küche steht? Ariane Lindemann und Tim Koch haben bekannten Fächerstädtern über die Schulter und in die Töpfe geschaut - denn "Jetzt kocht Karlsruhe" (Info Verlag)!Seine "Gefüllten Seezungen-Röllchen" beherrscht der Karlsruher Oberbürgermeister seit dem ersten Wahlkampf; auch Sandkorn-Leiter Siegfried Kreiner hält's beim "Theater-Risotto mit Thunfisch und Krabben" mediteran; die erfolgshungrige Mannschaft des KSC weiß nach einer kräfteraubenden Trainingseinheit die "Kick & Cook"-Lachsburger von Coach Edmund Becker zu schätzen und Fliegengewichts-Boxerin Regina Halmich bedient sich bei ihren "Maultaschen in Lachsfüllung" gleichfalls des Wanderfischs - Volltreffer, mitten auf die Geschmacksknospen!
Oder wie wäre es mit "Riesling Hähnle" aus dem Repertoire von Mundart-Dichter Harald Hurst? Selbst das Geheimnis der berühmten "Poppets-Waffeln" nach Machart Gunzi Heil und Marcus Dürr wird im Laufe der 92 Seiten gelüftet; und sicher wäre auch der "Badische Kirschenplotzer mit Grünkern" von Ex-Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle mehr als ein Dessert wert.
Dass ein guter Tropfen so manches Gericht veredelt, ist bekannt. Dass Gerstensaft ein ganzes Menü tragen kann dagegen nicht unbedingt: Wer's eher deftig mag, kocht bei Gelegenheit Friedrich Georg Hoepfners "Kräusengulasch" nach oder hält sich gleich an Dieter Ludwigs Empfehlung: Der ehemalige VBK-Geschäftsführer fährt auf "Lammrücken mit grünen Speckbohnen" ab. Aber auch das "Kalbsschnitzel auf Spargel und Neuen Kartoffeln" aus dem Fundus von Majolika-Chef Anton Goll verspricht Gaumenfreuden, erst recht Martin Wackers "Thailändischer Wok mit Gemüse und Putenfleisch".
Doch welche Kreation sich wohl hinter "Amuse geule à la Colani" verbirgt? Und was macht eigentlich TV-Moderator Markus Brocks "Sommer-Spaghetti" nach Inga-Art so besonders? Schmecken die am Ende gar noch besser als jene "alla puttanesca" von Post-Galerie-Centermanager Wilfried Loske? Warum die Kahn-Brüder Oliver und Axel nichts über ihr "Roast Soccer Turkey with Currant Glaze" kommen lassen; es im Badischen Landesmuseum aus Harald Siebenmorgens Büro durchaus einmal nach "Tajine mit Huhn und Zitronen" duften kann; wie fix Staatstheater-Intendant Achim Thorwald die "Schnelle Garnelenpfanne" schwengt oder ZKM-Leiter Peter Weibel seine "Bubespitzle" am liebsten hat - über 200 Farbfotos nebst verständlichen Anweisungen geben Auskunft.
In "Jetzt kocht Karlsruhe" heben Menschen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport, Menschen mit unterschiedlichsten Berufen und Vorlieben den Topfdeckel; und hat sich der erste Dampfschwall verzogen, kommen die vielfältigsten Ideen und Gerichte zum Vorschein; für die intime Zweisamkeit bei Kerzenschein, Leckereien für zwischendurch und unterwegs, über Gerichte für vier Personen bis hin zur Mannschafsration. Die Lieblingsrezepte der Fächerstädter Promis sind einfach nachzukochen, ungekünstelt und ohne übertriebene Raffinesse, für anspruchsvolle Gourmets ebenso geeignet wie ambitionierte Hobbyköche. So breitgefächert Karlsruhes Prominenz auch sein mag, eines eint sie allesamt: Die Lust am Genuss - en gude!Labels: Buch