indiskretion ehrensache

angeschaut und abgehört von patrick wurster

29. September 2008

Kunstgeschichten-Flirter

Bruchsal - Die Barockstadt ist um einen weiteren Goertzschen Blickfang reicher, der neu gestaltete Bruchsaler Friedrichsplatz samt Brunnenanlage "Faun und Nymphe" offiziell eingeweiht. Patrick Wurster sprach mit Jürgen Goertz - jenem Künstler, der so gerne Widersprüche in Aluminium, Bronze, Edelstahl und Blattgold plastisch werden lässt - über seinen ironischen Flirt mit der Kunstgeschichte.

Was steckt hinter Ihrem mythologischen Ansatz "Faun und Nymphe"?
Jürgen Goertz: Die Provokation meiner Arbeit liegt im Zitat historisch abgestandener Motive. Faun und Nymphe sehe ich dabei etwas abstrakter: Für mich charakterisieren sie den ewigen Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau.

Was finden Sie an Gegensätzen so anziehend?
Goertz: Es ist der Kontrast, der mich reizt. In der Kunst ist es immer spannend, wenn man Ungleiches gegeneinander ausspielen kann.

Der Faun ist als Brunnenskulptur konzipiert, die Nymphe dagegen steht frei...
Goertz: Bei mir kommt die Frau meist besser weg. Der Mann ist eher in der dienenden Rolle; funktionalisiert, instrumentalisiert.

Wie passt da ein Großherzog ins Gesamtkonzept des Platzes?
Goertz: Friedrich I. von Baden und Luise sind zwei Vorzeigepersönlichkeiten. Und auch diese feudalen Figuren hole ich in die Gegenwart, präsentiere sie aber ganz anders, als man es damals getan hätte. Beim Medaillon auf der vorderen Giebelseite des Wartehäuschens, dem Faun-und-Nymphen-Reigen, habe ich dagegen ein stilistisches Zitat aus dem Spätbarock verwendet. Das sind augenzwinkernde Grüße Richtung Schloss. Und die "Vier Jahreszeiten" ziehen sich durch die gesamte Kunstgeschichte. Auch hier ist es wichtig, dass man sie immer wieder anders definiert. Aber: Bei der Deutung von Kunst im öffentlichen Raum kann es keinen Konsens geben - sie muss Geselligkeit, muss Kommunikation auslösen. Es gefällt mir, wenn in meine Werke hineininterpretiert wird, wenn verschiedene Vermutung auftauchen. Der Bürger hat diese Freiheit, das ist seine kreative Leistung. Und sofern die Kunst solche Voraussetzungen schafft, ist das schlussendlich auch ein Teil von ihr.

Warum ist die Kopfgestalt von Großherzog Friedrich nun doch nicht wie geplant an der Fassade des Palais angebracht worden?
Goertz: Das hat sich aufgrund der verwendeten Natursteinplatten als schwierig erwiesen. Die Stabilität wäre nicht gewährleistet. Also hat man beschlossen, ihn mit Abstand zum Haupteingang freizustellen.

Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrem Werk um? Gerade das "Rolling Horse" vor dem Berliner Hauptbahnhof hat jüngst große Kontroversen ausgelöst.
Goertz: Je weiter man nach oben kommt, desto windiger wird es. Natürlich sind nicht alle Künstlerkollegen erfreut, dass nun einer wie ich aus dem Südwesten nach Berlin kommt; und wenn ein einzelner dann eine Polemik losbricht, weiß er genau, dass er viele andere mit seinen Worten für den Moment zufriedenstellt. Andere Künstler, die darüber verärgert sind, dass nicht sie den Auftrag erhalten haben. Das verselbstsändigt sich und irgendwann spielt die Kunst als Streitobjekt keine Rolle mehr. Das Pferd ist heute jedenfalls eines der meistfotografierten Motive in Berlin.

Das "S-Printing Horse" in Heidelberg, der "Wagenlenker" am Mingolsheimer Marktplatz, das "Rastatter Rätsel", in Bruchsal der "Pegasus" im Technologiedorf, die "Ordensschwester" am Krankenhaus, in Karlsruhe der "Musengaul" vorm Badischen Staatstheater, das "Ku(h)riosum" zu Bietigheim-Bissingen oder doch das "Rolling Horse" - gibt es in Ihrem langjährigen Schaffen ein Lieblingskunstwerk?
Goertz: Das lässt sich nicht ohne weiteres miteinander konfrontieren. Mein Werk wird man eines Tages in seiner ganzen Vielfalt beurteilen müssen. Eine einzelne Arbeit ist immer im Zusammenhang mir dem jeweiligen Standort zu sehen. Und dabei gibt es natürlich Standorte, die außergewöhnlich sind; etwa der Tiergärtnertorplatz in Nürnberg, der älteste mittelalterliche Platz. Dort steht ein von mir entworfener Hase nach Dürer. Ob ich diesen jetzt als mein grandiosestes Werk betrachte, sei dahingestellt. Aber der Platz ist ein sehr ehrenvoller.

Und der Bruchsaler Friedrichsplatz?
Goertz: Es ist ein großes Kompliment für mich, in Bruchsal nicht mehr nur in der Peripherie vertreten zu sein. Man hat erkannt, dass ich als Künstler neobarockes Lebensgefühl verkörpere und durch meinen ironischen Flirt mit der Kunstgeschichte ist ein Stück Urbanität in die Innenstadt geflossen.

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1. Dezember 2007

Zwischen Bier und Burnout

Berlin/Karlsruhe - Er ist der Typ, der ein Tourtagebuch schreibt, über die Band von dem Typen, der das Tourtagebuch von Tocotronic schrieb. So sagt's Stefan Ernsting, der Sozialwissenschaftler würde wohl eher den Terminus der teilnehmenden Beobachtung strapazieren. Zweieinhalb Jahre verbringt Autor Hilmar Bender "Tage mit Tomte auf Tour", bloggt und schließlich finden seine Zeilen ganz zeitgeistgemäß den Weg in Buchhandel und Substage: Am Samstag, 1. Dezember, liest er dort gemeinsam mit Muff Potters Sänger und Tummetott-Vorsteher Thees Uhlmann. Der telefoniert vor Anfahrt mit Patrick Wurster und erzählt von Nagels Köpfen, seinem Kunstverständnis und betitelt spontan die nächste Tomte-Platte.

Erst auserwählter Spielort fürs "Fest van Cleef", nun ist Karlsruhe einer von sieben streng limitierten Terminen mit Nagel und seinem "Wo die wilden Maden graben". Wie kam's zur gemeinsamen Lesung?
Thees Uhlmann: Der Nagel ist in Berlin mein "Partner In Crime", weil er zur selben Zeit hierher gezogen, aber ebenso unberlinerisch ist wie ich. Und Hilmar kenne ich nun auch schon seit zwölf Jahren. Die Wahrheit ist: Ich wollte dieses Jahr unbedingt nochmal auf Tour. Aber lass das bloß nicht meine Freundin hören...

Erzähl mal, wie dürfen wir uns den Abend vorstellen?
Uhlmann: Ungefähr so, wie ich mir gutes Fernsehen vorstelle: Anekdoten lesen, Lieder singen, Schoten erzählen und nebenbei an Bier und Rotwein nippen. Wir machen das, was wir können: Musik und Blödsinn. Nur der Rahmen ist ein anderer als bei den üblichen Konzerten, viel vager. Da stehen zwei Gitarren rum, ein Laptop und ein Lesemikro. Das ist dann eher die Geste eines intimen Abends unter Freunden.

Die Reiseprotokolle gab's erst als Blog - und dann war so viel gutes Material da, dass ihr beschlossen habt, das in Buchform unter dem Tomte-Titel "Die Schönheit der Chance" herauszubringen?
Uhlmann: Eigentlich hatten wir als Band mit der ganzen Sache relativ wenig zu tun. Hilmar ist der erste Blogger, den ich kennenlernen durfte. Ich wusste nur, dass er über uns im Web schreibt, nicht, dass man das nun bloggen nennt. Aber es ist schon eine kleine Ehre, nicht nur in der Musikabteilung, sondern auch beim Buchhändler zu stehen.

Warum hast du's als wortgewaltiger Autor nicht gleich selbst geschrieben? Hat doch auch bei den Tocotronic-Tourtagebüchern "Wir könnten Freunde werden" prima geklappt!
Uhlmann: Über sich selber und die eigene Band zu schreiben, erfordert ein solches Maß an Ehrlichkeit - das wäre unangebracht. Wichtig ist doch: Es gibt zwei Arten von Rockbands. Über die einen ist schon ein Buch geschrieben worden und über die anderen eben nicht. Und ich spiele lieber in einer Band aus der ersten Kategorie, weil's ganz einfach eine gewisse Relevanz demonstriert. Und sonst funktioniert das Buch genauso wie Tomte: Du brauchst keine hohe Schulbildung, keine besonderen Klamotten, da herrscht einfach ein gewisser Grad an Herzlichkeit und Ehrlichkeit, an Normalität vor. Und das ist eine Sache, die mir wichtig ist, die es lohnt, nach außen zu repräsentieren; auch, weil uns das wie ich finde von anderen Gruppen abgrenzt.

Über zwei Jahre lang hat euch Hilmar Bender auf Tour begleitet. Nervt dieses "Big Brother"-Feeling nicht irgendwann?
Uhlmann: Nein, das bin ich, über den Leute da lesen; wenn man mal das schöne Wörtchen Authentizität bemühen möchte. Und ich finde es gut, wenn so etwas auch für die Fans dokumentiert wird. "Ich bin Künstler und finde nur auf der Bühne statt" - das kann es für mich nicht sein.

Keinen Bammel gehabt, dass deine Eltern, die auch zu Wort kommen, etwas Peinliches ausplaudern?
Uhlmann: Das war ja der Sinn der Sache! Erst die Führung durch einen langweiligen Ort und dann lässt der auch noch seine verrückte Mutter erzählen - geil! Das hat noch keiner gemacht, also dachte ich mir: Dann mach ich das mit Freuden als erster. Manche Leute können mit diesem Grad an Intimität nicht umgehen, aber ich empfinde das als ungemein erheiternd.

Gab's im Nachhinein auch Stellen, mit denen du nicht ganz glücklich gewesen bist?
Uhlmann: Wir sollten das ursprünglich nochmals gegenlesen und sagen, ob etwas raus soll. Ham wir aber nicht gemacht. Ich glaube an Autoren und lehne es grundsätzlich ab, im Text eines anderen herumzustreichen.

Trotz aller lebendigen Darstellung des Touralltags, Pathos, Komik zwischen Schamhaaren in der Dusche, David Bowies Backstage-Ausweis und fiesem Essen - muss man den Mythos von "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll" auf "Bier & Burnout" reduzieren?
Uhlmann: "Bier & Burnout"? Das wäre ein guter Titel für die neue Tomte-Platte! Natürlich ist das Touren manchmal harte Arbeit. Drugs sind dabei, aber Sex findet für mich nicht auf Tour statt. Man muss sich da von amerikanischen Ideologiebegriffen freimachen, die hemmungslosen, ungeschützten Geschlechtsverkehr als eine Sache darstellen, die man im Leben unbedingt erreichen muss. Ich nehme den Kunstbegriff ehrlich gesagt ziemlich ernst. Bauen wir's also besser um in "Heiße Gedanken, Bier und Kunst".

Und in welcher bierseligen Nacht habt ihr Heike Eldenreich ausgegraben, die auf dem Tour-Plakat eure "Nagel mit Köpfen"-Lesung empfiehlt?
Uhlmann: Sie meint wie ihr großes Vorbild: Lesen! Wir sagen: Lesen lassen. Das ist Hilmar-Bender-Humor.

Deine Lieblingsanekdote?

Uhlmann: Die Episode über Hotelfernseher, die fast nie über einen passenden Anschluss zur Playstation verfügen. Aber eigentlich mag ich alle Passagen, wo Alkohol im Spiel ist...

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26. November 2007

"Still"-Stand

Remchingen - "Ein Schiff ist nicht nur für den Hafen da, es muss hinaus, hinaus auf hohe See!" Jahrelang haben sie diese Zeile begeigt, dann strandet das deutsche Folk-Punk-Flaggschiff Across The Border. Nach zwei Kurztrips durch Süddeutschland 2005 und 2006 hat sich das Sextett im Sommer offiziell aufgerafft, eine neue Platte mit Titel "Still Angry, Still Happy" ist in Sicht. Vor dem anstehenden Weihnachtskonzert im Substage mit den Pforzheimer Kollegen Ratsbane ließ sich Patrick Wurster von Rockordeonist Andreas Kölsch in die heimische Kellerbar laden. Ein nostalgischer Plausch über vermeintlich letzte Tänze, Bands "Unter falscher Flagge" und den aktuellen "Still"-Stand.

Aus "berufenen" Gründen habt ihr euch nach elfjährigem Bestehen 2002 aufgelöst; auch weil es Sänger Jochen alias Jake nach Freiburg gezogen hat. Oder waren's doch die Querelen, wie's damals die Runde gemacht hat?
Kölsch: Kleinere Reibereien gibt's im Lauf der Zeit in jeder Band, aber wir sind nicht im Streit auseinander gegangen. Jochen ist mein Jugendfreund, und auch mit unserem Gitarristen Roger und Bassist Bieber haben wir uns danach noch privat getroffen. Wir kommen bestens miteinander aus. Der große Durchbruch ist ganz einfach ausgeblieben. Zweimal die Woche proben, am Wochenende auf Konzertreise und dann am Montagmorgen ab in die Firma - das geht über elf Jahre ganz schön an die Substanz. Unseren Sound kannst du anscheinend nicht im Radio spielen, wie der Versuch mit "This Guardian Angel" gezeigt hat. Das ist schade, aber diese Fäden ziehen andere, das hast du als Musiker nicht in der Hand. Hauptauflösungsgrund war, dass wir Across The Border nicht hauptberuflich machen konnten. Sonst hätte es uns bis heute durchgängig gegeben.


Nun bleibt der "Last Dance Around The Fire" doch nicht so final: Reunion. Was hat sich geändert?
Kölsch: Jochen wohnt zwar wieder hier, aber das war nicht ausschlaggebend. Wir hätten das auch so gepackt. Nein, die tollen Konzerte im Oktober 2005 und Dezember 2006 haben die alte Lust geweckt! Wir können unser Talent schließlich nicht verkommen lassen...


Aber die Organisation von Band und Beruf und Band wird ja nun nicht leichter - oder muss Ahead To The Sea, Jochens Freiburger Nachfolge-Projekt, so lange vor Anker liegen, wenn das Folk-Punk-Flagschiff wieder ausläuft?
Kölsch: Das wird bei ihm zweigleisig laufen; genau wie bei unserem Bassisten Bieber, der noch bei der Punkrock-Band Pascow in Trier spielt. Aber wir geben uns auch nicht mehr den Stress wie früher. Statt 30 Konzerten werden es künftig vielleicht noch zehn pro Jahr sein.


Folk-Punk Since 1991" ist ja ein echtes Gütesiegel geworden. Mit den "Hag Songs" habt ihr in der Region einen echten Hype losgetreten, der sich bis zum Kult steigern konnte. Erzähl doch mal einen Schwank aus den Anfängen der Bandgeschichte.
Kölsch: Für mich gab's zwei Schlüsselerlebnisse fürs Musikmachen: Das eine war 1985, Tote-Hosen-Konzert in der Karlsruher Oststadthalle. Im Vorprogramm: Der wahre Heino. Das war mit 15 die Initialzündung in Richtung alternative Kultur. Dann kamen die Pogues, 1988, Gartenhalle. Besoffene Musiker, die ihr Publikum so dermaßen im Griff und dabei noch selbst Spaß auf der Bühne haben - das hat uns fasziniert.


Wie kamt ihr dann dazu, diese beiden Musikstile, denen außer den Grundthemen Wandlung und Protest nichts gemein ist, zu kombinieren?
Kölsch: Wir wollten das Beste von beidem, also musikalisch schon in Richtung Pogues, aber eben ein bisschen zeitgemäßer, mit mehr Kick. Die Pogues Of Punkrock sozusagen. Also haben wir - Jochen und Inst (Ex-Gitarrist) - als Autodidakten losgelegt.


Und dann das klassische "Wer hat Lust auf was"?
Kölsch: So ähnlich. Ich hab Klavier gelernt, und die rechte Hand macht am Akkordeon genau dasselbe - nur eben senkrecht. Und die linke Hand, die für die Bässe zuständig ist, brauchst du in der Band ohnehin nur zum Pumpen. Dafür gibt's schließlich den Bassisten. Mittlerweile habe ich ein Rockordeon ohne Knöpfe. Klasse Erfindung von Hohner, wird leider nicht mehr hergestellt. Aber wie für mich gemacht.


Woher hast du eigentlich dein Markenzeichen schlechthin, den Hut?
Kölsch: Den hab ich 1993 von der Freundin unseres ehemaligen Schlagzeugers Fezzo zum Geburtstag bekommen. Und seither hat er ausnahmslos jedes Border-Konzert mitgemacht.


Statt Fezzo ist nun Ex-Schein 23er Massimo Randisi an Bord, der schon 2006 bei den wenigen Gigs in Süddeutschland getrommelt hat. Wie seid ihr zusammengekommen?
Kölsch: Bieber oder Roger kannten ihn und haben gemeint: Der kommt aus der Region, hat viel Erfahrung, kann sich unsere Stücke in kürzester Zeit draufhauen. So war's. Und dann hat das auch auf Anhieb vom Menschlichen her gepasst. Fertig.


Und wie fertig ist die neue CD "Still Angry, Still Happy"?
Kölsch: Die soll im Spätsommer 2008 erscheinen, fünf Lieder sind schon weitestgehend fertig, eines steht bereits: "No Way". Das haben wir auch schon im Juli beim "777-Open-Air-Festival" in Rastatt, dem Wiedervereinigungs-Konzert, gespielt. Aber zehn bis elf Nummern sollten es am Ende schon werden. Beim Substage-Auftritt im Dezember gibt's also auf alle Fälle weiteres neues Material zu hören.


Wird sich irgendwas verändern oder bleibt alles "still"?
Kölsch: Musik, politischer Anspruch - bleibt alles beim Alten. Happy und Angry. Der Begriff Folk-Punk rührt ja nicht nur vom Sound her, das musst du auch inhaltlich füllen können. Also ganz platt gesprochen: sozialkritisch sein und nicht nur über Guinness und grüne Wiesen singen, wie das zum Beispiel Fiddler's Green tun.


Keine Überraschungen, alles Eigenkompositionen?
Kölsch: Eine Coverfassung wird drauf sein, aber die kann ich noch nicht verraten. Etwas mit Klavier - das wird bahnbrechend!


Denkst du, dass ihr auch neue Anhänger gewinnen werdet oder verirren sich mehr die Nostalgiker von einst auf euren Konzerten?
Kölsch: Da ist wie eh und je so ziemlich alles vertreten. Und noch mehr: Zu Tokio Hotel bringen die Kinder ihre Eltern mit. Bei uns ist's umgekehrt.


2002 habt ihr zur Auflösung zum zweiten Mal auf dem "Fest" gespielt. Wäre mal wieder an der Zeit, oder?
Kölsch: Das würde natürlich gut passen und wir haben auch schon mal angefragt: Zeltbühne, Samstagabend, Top-Act? Antwort: Nein, dafür seid ihr zu groß. Und im Rückblick auf 2002 ist das auch richtig. Aber Hauptbühne am Sonntagnachmittag? Das kann es auch nicht sein. Wir müssen uns mit den Verantwortlichen nochmals unterhalten. Ich könnte mir Ende Juli freihalten.

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9. Juli 2007

Das Laissez-faire der Indie-Avantgarde

Karlsruhe - Kante aus Hamburg, das steht ganz schlicht für Avantgarde. Ausbalancierte, jazzig angehauchte, vielschichtige Rock-Sound-Collagen zwischen Post und Pop, aber stets mit latentem Hang zur Vollendung. Vor dem Gastspiel der Indie-Perfektionisten beim "Fest van Cleef auf dem Karlsruher Schlachthofgelände unterhielt sich Patrick Wurster mit Sänger Peter Thiessen und Gitarrist Felix Müller. Ein Sechs-Augen-Gespräch über Millionen-Metropolen, Band-Obsessionen und das neue Kante-Laissez-faire.

Als selbsterklärter "Hamburger-Schule-Typ" hast du Texte sowie etwas Musik für eine Revue über Berlin geschrieben und es als "eine auf den ersten Blick absurde Kombination" beschrieben. Wo lag der Reiz an diesem Projekt?
Peter Thiessen: Abgesehen von der Tradition des Aufführungsortes, dem Berliner Friedrichstadtpalast, mit seinem versenkbaren Springbrunnen, der breitesten Bühne Europas und der längsten Girl-Reihe der Welt fand ich das Format Revue an sich äußerst reizvoll. Es vereint Altes und Modernes und lässt dem Texter sehr viele Freiheiten. Das ist ja weniger ein Musical als vielmehr eine Aneinanderreihung von einzelnen Nummern. Außerdem fand ich es interessant, mit "Rhythmus Berlin" eine Auftragsarbeit zu übernehmen, bei der das Konzept vorgegeben ist. Du arbeitet mit einem Riesenapparat zusammen, da sind Komponisten, die teilweise vom Broadway rüberkommen.


Wie kam es dann zu eurer neuen Platte "Kante Plays Rhythmus Berlin"?
Thiessen: Nachdem das Projekt beendet war, haben wir mit der Band zu einigen Texten nochmal eigene Musik gemacht. Die basiert großteils auf den gleichen Nummern, klingt aber wieder ganz anders als die Revue im Friedrichstadtpalast. Die Texte sind leicht variiert, damit sie auch außerhalb des Bühnenkontextes funktionieren.


Berlin, der Inbegriff von Großstadt - grenzenlos, aber anonym. Das Thema "Metropole" kommt auch in früheren Kante-Texten zur Sprache. "Wer hierher kommt will vor die Tür" oder "Im Inneren der Stadt" - wie siehst du es? Freiheit oder Verlorenheit?
Thiessen: Es ist natürlich immer beides zugleich. Wenn es in Deutschland überhaupt eine Großstadt gibt, dann ist das Berlin. Und Berlin ist nicht so sehr eine Stadt aus der man kommt, sondern eine, in die man geht. Eine Stadt, deren Identität darin besteht, keine zu haben; die vor allem Leute vom Land oder aus kleineren Städten anzieht. Man kommt aus der Provinz und versucht hier seine Vorstellungen von Großstadt zu finden, zu inszenieren, auszuleben. Für diese Menschen schwingt da so ein Versprechen mit, sich freizumachen von den Zwängen der dörflichen Gemeinschaft.


Wie schnell haben sich die übrigen Bandmitglieder von der Idee "Kante Plays Rhythmus Berlin" anstecken lassen?
Felix Müller: Am Anfang dachte ich schon: "Das hat doch mit Kante eigentlich gar nicht so viel zu tun." Aber dann war klar, dass das gar nicht in einem so engen Zusammenhang zur Revue steht, was wir draus machen. Wir sind dann ganz spontan ins Studio gegangen, ohne uns großartig vorzubereiten, und haben innerhalb von zehn Tagen probiert, arrangiert und eingespielt.


Deiner Rockattitüde frönst du ohnehin bei der Gruppe Sport. Wie lässt sich ein musikalisches Doppelleben bei zwei mittlerweile einigermaßen gut und noch einiges besser bekannten Bands vereinbaren?
Müller: Immer eines nach dem anderen. Aber im Anschluss an die Tour mit Sport habe ich schon gedacht: "So ein bisschen Pause wäre jetzt durchaus ganz nett gewesen..."


Wie nahe seid ihr mit dem "Fall" an den Aufstieg in die erste Rockliga herangekommen? Immerhin lautete die euphorische Forderung aus dem Hause "Spex" nach dem Sport-Debüt "Bitte berühmt werden!"
Müller: Ja, das berühmte "Spex"-Zitat. Ist auch schon wieder eine ganze Weile her, "These Rooms Are Made For Waiting"...


Mit Kante musstet ihr nicht so lange warten: "Die Summe der einzelnen Teile" vom zweiten Album "Zweilicht" lief gleich auf Rotation heiß. Wenn man sich allerdings eure Songstrukturen anschaut, habt ihr es gar nicht erst forciert, nach 2001 nochmals einen solchen Indie-Disco-Hit zu landen. Denn sie leben doch ein Stück weit von einem Glauben, der unserer Gegenwart vorauseilt? Oder ums mit der Gruppe Sport zu sagen: Es sind nicht die Millionen, es geht hier um Obsession?
Thiessen: "Die Summe" war ein Überraschungshit. Solche Gedanken machen wir uns im Vorfeld grundsätzlich nicht, also funktioniert dieser oder jener Song jetzt auf dem Dancefloor oder nicht.


Worauf kommt es dann für dich beim Musikmachen an?
Thiessen: Ganz banal aufs Gefühl. Mich interessiert nicht ob mit Keyboards, Streichern oder Gitarren gearbeitet wird, das ist für den Kern der Sache nicht so wichtig. Wenn du einen guten Song hast, kann man den sowohl solo an der Gitarre spielen als auch mit einem ganzen Orchester. Das ändert nichts an seinem Grundgehalt.


Dabei wär's fast vorbei gewesen. Vor "Die Tiere sind unruhig" hatte ihr euch entfremdet, einige Bandmitglieder wollten auf unbestimmte Zeit pausieren. Wie habt ihr die Kurve bekommen?
Thiessen: Das "Zombi"-Album war eine extrem lange, kräftezehrende Produktion. Uns war klar, wenn wir jede Platte so aufnehmen, dann landen wir irgendwann alle in der Klapse; und wenn es weitergehen soll, dann muss es anders weitergehen. Wir haben viel miteinander gesprochen und eine andere Methode verfolgt: Ich hatte mich bis dahin immer dagegen gewehrt, der klassische Bandleader zu sein, wollte diese Verantwortung nicht übernehmen. Das war nach der Pause anders. Und damit hat sich einiges gelöst.


Das Ende der Banddemokratie als Keim des neuen Kante-Schwungs?
Thiessen: Ich habe damals gesagt: "Macht ihr Pause, kümmert euch um eure anderen Projekte, ich schreibe derweil an neuen Stücken. Und als wir einige Zeit später im Proberaum zusammenkamen, wussten alle so ungefähr in welche Richtung es gehen soll.
Müller: Dadurch hat sich die Stimmung in der Band während der vergangenen zwei Jahre einfach total verändert. Nach der "Zombi" war alles irgendwie festgefressen...
Thiessen: Wobei nicht zur Debatte stand, ob man sich noch mag, aber wir hatten einfach das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie man musikalisch und organisatorisch wieder zueinander finden kann. Wenn du jeden im Grunde fertigen Song noch fünfmal anders und besser zu spielen versuchst, verlierst du irgendwann das Gefühl dafür. Uns war wichtig, dass man den Spaß am Musikmachen wieder auf der Platte hören kann. Wir wollten Zügellosigkeit und Energie walten lassen anstatt alles bis ins letzte zu durchdenken. Und wenn irgendwo die Gitarre einmal ein bisschen schief klingt, dann ist uns das mittlerweile echt egal.


Rührt von diesem Umbruch die generelle Unruhe der "Tiere"-Platte, deren Sound ihr teils auch auf "Rhythmus Berlin" beibehalten habt?
Thiessen: Mit Sicherheit. Ich habe damals viel Gedankenballast über Bord geworfen, mich von dem unbedingten Willen verabschiedet, ein von vorn bis hinten durchkonzipiertes Meisterwerk abzuliefern. Wir haben so viele erfahrene musikalische Persönlichkeiten bei Kante, dass ich darauf vertrauen kann: Ganz gleich was wir machen - es kommt etwas richtig Gutes dabei heraus.

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Er singt die ganze Zeit für uns

Karlsruhe - Thees Uhlmann mimt nicht mehr den traurigen Jungen, das Ende der Suche ist's wovon er singt; und doch (be-)rührt er uns ein ums andere mal. Seine dafür mitverantwortliche Stammformation Tomte ist nicht dabei, als sich das "Fest van Cleef" zum Abschluss der dreitägigen Labelfeierei auf dem Schlachthof-Gelände einquartiert. Heute profitieren die GHvC-All-Stars der Hansen Band von seinem Saitenspiel, zuvor unterhält sich der Nobelhotelier aus der Elbstadt mit Patrick Wurster. Eine heiter-ernste Backstage-Plauderei über Uhlmann'sche Befindlichkeiten, singende Vögel und seinen Kühlschrank.

Zum zweiten Mal "Fest van Cleef", diesmal in Berlin, Bremen...
Thees Uhlmann: ...und ausgerechnet Karlsruhe! Uns gefällt das Gelände hier wirklich sehr gut und dann ist Karlsruhe eine Stadt, die uns immer sehr gewogen war. Das honorieren wir.


Auf dem aktuellem Tomte-Album "Buchstaben über der Stadt" entführt ihr uns wieder in die Welt der wunderbaren Indie-Pop-Befindlichkeiten. Und doch hat sich etwas verändert: Vorbei mit "Endlich einmal" und "Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen". Du bist fündig geworden?
Uhlmann: Ganz genau. Beim Vorgänger "Hinter all diesen Fenstern" war ich 27 und als ich die "Buchstaben" geschrieben habe 31. In dieser Zeit hat sich privat und beruflich viel verändert. Das ist bei anderen Leuten auch so, nur singen die eben nicht darüber. Ich bin echt froh, mich nicht mehr mit den Problemen herumzuschlagen, die ich damals hatte. Aber die mussten ganz einfach besungen werden.


Das ganze Platte ist total lebensbejahend, von "Ich sang die ganze Zeit von dir" bis "Geigen bei Wonderful World". Also geht's dir jetzt richtig gut!
Uhlmann: Auf jeden Fall! Das Lebensbejahende hat sich schon bei "Hinter all diesen Fenstern" angekündigt, war aber mehr aus der Not heraus geboren, weil es mir psychisch, physisch und finanziell schlecht ging. Da musste ich mich an etwas klammern und das ist dann geendet in einem Song, der "Schönheit der Chance".


Komponieren als Selbsttherapie?
Uhlmann: Ich bin Norddeutscher, ich brauch keine Therapie. Dazu bin ich viel zu verknöchert. Nein, als Künstler gehört es zu meiner Aufgabe, für die Leute mitzusingen. Das traut sich hier fast keiner zu sagen, aber in England und Amerika ist das ganz normal; dass der Typ, der Gitarre spielen kann, die Sorgen der Working Class vertont.


"Es ist halt die Abbildung meines Lebens, weil ich aus einem unglaublichen Maß an Arroganz heraus Platten für mich selber schreibe." Ein Satz, der für alle Tomte-Texte gilt?
Uhlmann: Der ist gar nicht schlecht!


Der Satz ist von dir... Oder etwa nicht?
Uhlmann: Das hört sich jedenfalls sehr nach mir an. Wir haben ja nie eine Plattenfirma gefragt, ob es in okay ist, dass wir existieren. Wir haben einfach gemacht und das meine ich mit arrogant. Zwar leben die anderen bei Tomte nicht das gleiche Leben, aber sie tragen die Texte mit. Das ist nunmal der Deal, wenn du in einer Band spielst.


Nun spielst du gleich in zweien und was der puren Fiktion entsprungen ist, gibt es zwei Jahre danach immer noch. Hättest du dir träumen lassen, dass die Hansen Band den Film "Keine Lieder über Liebe" überlebt?
Uhlmann: Das war damals alles so aufregend und neu für uns, dass man zu der Zeit gar nicht darüber nachgedacht hat. Aber es macht einfach Spaß! Ich bin bei der Hansen Band nicht der Tomte-Sänger, der vorne stehen und durch den Abend führen muss, sondern einfacher Gitarrist. Sehr entspannend. Außerdem ist es für mich immer noch ein großes Ding, mit Marcus in einer Band zu spielen. Und weil ich ein großer Wiebusch-Fan bin, will ich ihm natürlich auch gefallen.


Welchen Einfluss hatte der Kinofilm auf Tomte und euer Label Grand Hotel van Cleef in punkto Außenwirkung?
Uhlmann: Ehrlich gesagt glaube ich gar nicht, dass die Außenwirkung so doll war. Die Medien hatten zwar den Fokus drauf, als der Film in den Kinos anlief, aber im Nachhinein kam da nicht mehr viel. Unterm Strich war das nicht nachhaltig, es hat aber auch nichts kaputt gemacht. Da ist schließlich immer die Gefahr, dass du mit einem derartigen Projekt auch eine Menge kaputt machen kannst, wenn der Film oder die Musik scheiße ist.



Nun ist Hansen-Frontmann Jürgen Vogel ohne Zweifel ein klasse Schauspieler - aber singen?
Uhlmann: Er hat am Anfang furchtbar gesungen. Und dann wurde das immer besser. Als er sich gestern mit Marcus warmgemacht hat, dachte ich: "Alter Schwede, ganz schön gute Stimme ist das geworden!" Und dann merkst du einfach, dass der Mann seit 15 Jahren mit Text arbeitet. Außerdem passt dieses Unfertige in den Plot des Films. Das ist schließlich keine geile Durchstarter-Band, sondern mehr eine, die sagt: "Probieren wir's halt mal." Und dann gibt es ja zig Bands, bei denen der Sänger keine Koryphäe ist. Zum Beispiel Kettcar. Oder Tomte.


Wird es je ein neues Album der Hansen Band geben?
Uhlmann: Das Projekt ist erst einmal beendet. Karlsruhe wird auf längere Zeit den letzten Auftritt erleben, es könnte auch der Abschluss sein. Irgendwann wird das dann so Status Quo-mäßig, wenn man dann nochmal und nochmal "Strand" spielt. Nach dem Motto: "Ihr kennt es, ihr liebt es!" Wenn es jemals wieder ein Konzert der Hansen Band geben sollte, dann müssten wir neue Songs schreiben und das kann ich mir im Moment einfach nicht vorstellen. Aber wer weiß - wenn Tomte nicht mehr läuft...


Wie war das doch gleich mit dem "Aufstand der alten Männer"?
Uhlmann: Wenn du dir Tomte auf dem Papier ankuckst, dann steht da nicht gleich großer Erfolg dahinter. Man könnte auch denken: "Mann, irgendwie ist das ganz schön pointless, hierfür sein Studium zu opfern." Und dann funktioniert es doch und ich glaube, es funktioniert, weil die Leute wissen, dass ich ein großes Herz hab. Das habe ich natürlich nicht der Leute wegen, so bin ich halt. Aber das macht es umso schöner, wenn die dann mitziehen.



GHvC, die Firma von Freunden für Freunde. Du schreibst viele der Promotexte selbst, preist eure Künstler an, wie man sich unter guten Freunden vorstellen würde. Authentizität oder Masche?
Uhlmann: Wenn dir keiner zuhört, dann ist es der neue Style. Und wenn dir mehr zuhören, dann schreien plötzlich alle auf, das sei bloße Masche. Wir haben uns wirklich dieses Familiäre bewahrt, wollen - wie an diesem Wochenende - nicht mit karrieristischen Arschlöchern abhängen. Das passt auch schlecht zusammen, Kunst und Karriere. Stichwort Biochemie: Ich würde sagen, es ist ein bisschen das Gespür, das man für Menschen entwickelt und welche Art Musiker man im Umkehrschluss anzieht.


Hat der Chef eine Lieblingsband auf seinem Label?
Uhlmann: Ich hoffe, wenn die Jahre ins Land ziehen, wird Felix Gebhard alias Home Of The Lame endlich so wahrgenommen, wie er wirklich ist: nämlich genau so gut wie Jack Johnson. Ansonsten höre ich alles zu seiner Zeit.



Ihr habt dem Trend entsprechend inzwischen einen eigenen mp3-Shop auf der Website. Lassen sich damit schon nennenswerte Erlöse einfahren?
Uhlmann: Es lohnt sich ein bisschen, aber das steckt noch ziemlich in den Kinderschuhen. Man muss es ganz einfach machen, um dabei zu sein; damit die Strukturen stehen, wenn die große Welle kommt. Aber bis jetzt ist das nicht mehr als ein Zubrot.


Ist und bleibt Deutschland eine Aldi-Nation?
Uhlmann: Du musst es so sehen: Die Leute klauen deshalb nicht bei Karstadt, weil sie zu viel Angst haben, erwischt zu werden. Manche klauen natürlich trotzdem, aber man kann nur hoffen, dass das für die Musikindustrie demnächst auch gilt; dass die Leute zu viel Angst haben, sich bei Kaazaa etwas runterzuziehen. Obwohl das die Mehrzahl bei uns im Tourbus sicherlich nicht anders macht. Die Killians, die draußen grade spielen, die haben sich noch nie in ihrem Leben eine CD gekauft. Es gibt nunmal keine Originale mehr, sie sind nutzlos geworden. Zu Zeiten, als ich noch das neue Slime-Album auf BASF Chrom Maxima II gezogen habe, war das noch anders.


Doch so schlimm?
Uhlmann: Ich jammer jetzt nicht rum, Millionär sein ist auch kein Wert an sich. Aber um nochmal das Beispiel Home Of The Lame zu nennen: Für den Felix ist es dramatisch - die Konzerte sind voll, aber die Platten bleiben liegen. Und dieses Geld fehlt ihm. Nicht um ein würdigeres Leben zu führen, aber er hätte dann den guten Käse im Kühlschrank und nicht nur den mittelguten.


Wie sieht's bei dir im Kühlschrank aus?
Uhlmann: Wir planen im kommenden Frühjahr die neue Tomte-Platte am Start zu haben.


Und wohin geht die Befindlichkeit?
Uhlmann: Die pendelt sich ein zwischen buddhistischer Zen-Ruhe und hasserfüllter Slayer-Lyrik.

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23. März 2007

Die Ober-"Wixxer"

Karlsruhe - Mit viel schwarz-weißem Humor kramten Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka als Chief Inspector Even Longer und Inspector Very Long vor drei Jahren in der Edgar-Wallace-Filmreihe. Dieser Tage erzählt man sich in den Kinos der Republik "Neues vom Wixxer", weshalb Patrick Wurster die beiden Autoren und Hauptdarsteller bei ihrem Besuch im Filmpalast am ZKM verhört hat. Ein Protokoll über funktionierende Parodien, onanierende Otter und strapazierte Führerfiguren.

Weniger witzig, aber ordentlich erfolgreich war der erste Teil des "Wixxers. Obwohl es Kritikerschelte gab, wollten's rund 1,8 Millionen Kinozuschauer sehen...
Oliver Kalkofe: Sicherlich haben wir beim ersten Teil, der zugleich unser erster Kinofilm war, noch Fehler gemacht - und sind trotzdem stolz auf das Ergebnis! Das ist, als ob man sein Kind aufzieht und wenn es erwachsen ist, geht es zur FDP.


Der neue "Wixxer" fährt wieder einiges an Zitaten auf; zwischen Lars Rudolph als Kinski-Verschnitt bis zum mittels Weitwinkel ins Bild gerückten Telefonhörer, den wohl nur Edgar Wallace-Kenner ausmachen dürften. Aber kann ein Großteil Ihrer Zielkundschaft mit den zahllosen Anspielungen dazwischen überhaupt etwas anfangen?
Bastian Pastewka: Man muss natürlich davon ausgehen, dass die Jüngeren den großen Edgar-Wallace-Boom nicht miterlebt haben. Aber ich weiß, dass samstagabends auch sehr viele junge Zuschauer einschalten, wenn die alten Filme bei einem Privatsender im Doppelpack gezeigt werden. Man hat natürlich einen Bonus, wenn man sie kennt und wird das ein oder andere Zitat mehr entdecken. Uns ist aber letztlich auch ein Stück weit egal, wer die alten Filme geschaut hat.
Kalkofe: Eine gute Parodie muss auch funktionieren, ohne dass der Zuschauer die Originale kennt. Das beste Beispiel ist "Die nackte Kanone": Kaum einer kennt noch die Serie "M Squad" aus den 50ern mit Lee Marvin. Dennoch weiß jeder, welche Art von Film, welche Art von Genre hier persifliert wird. Ähnlich ist es bei uns: So lange die Welt, die wir aufgebaut haben - unsere "Wixxer"-Welt - stimmig ist, kann man sich einfach hineinfallen lassen. Das ist vielleicht das Geheimnis des Erfolges.


Dann ist dieser Aspekt also nicht Grund dafür, dass bei "Neues vom Wixxer" wesentlich mehr allgemeinverständliche Popkultur-Zitate enthalten sind?
Kalkofe: Nein, überhaupt nicht. Wir haben diese Elemente nur dann gebracht, wenn sie sich gut in die Handlung einfügen; und nicht, um sich irgendwem anzubiedern. Im Gegenteil. Zugegeben: Beim ersten "Wixxer" gab es noch Diskussionen, dieses und jenes zu machen, nur weil es den Jüngeren entgegen kommt. Aber wir haben gelernt, dass man das nicht machen darf.


Wie darf man sich das eigentlich vorstellen, wenn die drei Autoren Kalkofe, Pastewka und Welke ein Drehbuch verfassen?
Pastewka: Es gibt da eine ganz klare Aufteilung. Wir rufen alle unsere Ideen durch den Raum, und Kalkofe hat den Part inne, dass er obendrein den ganzen Scheiß tippen muss. Aber Oliver hat nun mal als einziger von uns eine Fremdsprachensekretärinnen-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. So etwas qualifiziert natürlich.
Kalkofe: Und deshalb wurde mir weisgemacht, ich sei der einzige von uns dreien, der tippen könnte. Das ist natürlich gelogen, aber ich hab's geglaubt und kenne mich mittlerweile so gut mit den Computerprogrammen aus, dass ich es einfach machen muss.


Gedreht wurde das Niedergeschriebene dann in Tschechien. Nur aus finanziellen Beweggründen?
Kalkofe: Das Preis-Leistungs-Verhältnis dort ist hervorragend. Die Kollegen in Prag können Szenenbilder bauen, die man in Deutschland für diesen Preis nie und nimmer bekommen würde. Das Schloss, das Kloster, die Irrenanstalt - das ist alles gebaut und nicht etwa am Computer entstanden.

Pastewka: Auch für die Außenaufnahmen war es ungeheuer wichtig, dort zu drehen. Unser Film spielt in den 60er Jahren und das konnten wir in London nicht realisieren, weil die Stadt heute einfach zu modern ist. Prag dagegen bietet die ideale Optik.


Wie viele der 32 Edgar-Wallace-Verfilmungen kommen im neuen "Wixxer" vor?
Kalkofe: Das kann man so genau gar nicht sagen. Wir haben sie natürlich alle gesehen und es gibt ein paar Filme, die hauptsächlich zitiert werden; zum Beispiel haben wir dieses Mal sehr viel von der "Seltsamen Gräfin" drin, "Die Bande des Schreckens" kommt häufig vor, "Der grüne Bogenschütze" und selbstverständlich die "Hexer"-Filme. Ansonsten sind das Versatzstücke aus einem guten Dutzend weiterer Edgar-Wallace-Klassiker. Beim ersten "Wixxer" waren weitaus mehr Titel drin, aber damals hatten wir auch noch das ganze Feld zum Abgrasen. Diesmal haben wir uns ein bisschen mehr fokussiert. Dafür gibt es 32 verschiedene Enden nach Zufallsprinzip. Es lohnt sich also durchaus, den Film mehrmals zu sehen.


Besonderer Hinkucker ist eine Stelle, an der im TV lieber weggesehen wird - Werbung! Man munkelt unter den Rufnummern vom "Onanierenden Otter" und dem "Pissenden Fisch" soll's tatsächlich etwas zu holen geben?
Kalkofe: So ist es! Die Nummern in unserem Werbeblock gibt's wirklich. Wer dort anruft, bekommt einen Code für die "Wixxer"-Website und kann diese Klingeltöne dann kostenlos herunterladen.


Wie komisch geht's zu am Set, wenn drei Spaßvögel die Fäden in der Hand halten?
Pastewka: Es geht sehr komisch zu. Wir haben viele Szenen zusammen und dabei reichlich gelacht; auch übereinander. Ich könnte nicht anders arbeiten.
Kalkofe: Es ist enorm wichtig, dass eine gute Stimmung am Set herrscht. Wir haben uns mit den anderen Schauspielern auch nach Drehschluss privat getroffen...
Pastewka: ...und sind sozusagen eine richtige "Wixxer"-Familie geworden.


Dabei hatte der ein oder andere Gastauftritt unter Ihrer "Mattscheibe" ganz schön zu leiden. Herr Kalkofe, wie haben Sie's geschafft, dass diese Leute ausgerechnet in Ihrem Film mitspielen?
Kalkofe: Also bei Achim Mentzel hat sich diese Frage erst gar nicht gestellt. Das ist ja schon fast so etwas wie eine Blutsbrüderschaft zwischen uns beiden. Für die Szenen in der Irrenanstalt mussten wir nur zu ihm nach Hause fahren und die Kamera in die Zelle halten. Aber es gab auch Absagen: Den Part von Frank Zander sollte eigentlich Dieter Thomas Heck übernehmen, der sich leider verweigert hat. Auch bei Roberto Blanco war ich zunächst unsicher. Den hatte ich so oft in der "Mattscheibe" und dachte: "Oje, wenn der wirklich kommt, haut er dir erst mal in die Fresse..." Dann kam er tatsächlich, war fröhlich, meinte nur: "Ein bisschen Spaß muss sein!" und ging wieder. Aber ich glaube, er weiß bis heute nicht, wer ich bin oder in welchem Film er überhaupt mitgespielt hat.


Derweil ist Christoph Maria Herbst vom Butler zum Irrenarzt aufgestiegen. Mit seiner grandiosen Hatler-Performance könnte man ebenso gut einen eigenen Kinofilm füllen. Sie haben sich das getraut, was man bei Dani Levys "Mein Führer" vermisst hat...
Kalkofe: Und zwischendrin wurde Hitler auch noch in der Komödie "Der Untergang" parodiert. Deshalb hatten wir schon ein bisschen die Befürchtung, das Thema könnte mittlerweile vielleicht überstrapaziert sein. Aber das Schöne bei der Figur Hatler ist, dass wir das auf eine ganz andere Ebene hieven: Christoph Maria Herbst spielt ja nicht den Mann, an den er erinnert. Das erlaubt es uns, so absurd zu sein, wie sich dem Thema genähert werden muss. Von dieser Warte aus kann man sehr viel mehr machen, sich sehr viel mehr trauen; zeigen, wie lächerlich diese Person und das Gedankengut ist. Und die Karaoke-Version von "My Way" ist definitiv einer der Höhepunkte des Films geworden! Wir wollten ihn eigentlich auch noch "Ein bisschen Frieden" singen lassen - aber Ralph Siegel hat die Rechte nicht herausgegeben...

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10. März 2007

Ansichten eines Clowns

Karlsruhe - Dieser Bumerang hat nicht sonderlich lange auf sich warten lassen. Erst im November hat der humorig-melancholische Singer/Songwriter samt Band das Substage beschallt, da kam er auch schon wieder angeschlendert: Ohne Hund Marie in den Club Stadtmitte zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Lautstark". Patrick Wurster traf Olli Schulz vor seinem Auftritt - ein entspannter Plausch über sympathische Labels, notorische Erfolgsmenschen und die inspirierende Hamburger Luft.

Du hast aus dem Grand Hotel ausgecheckt, Freund und Entdecker Marcus Wiebusch verlassen und haust fortan neben den artverwandten Indie-Kollegen von Kante beim Major-Ableger Labels. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?
Olli Schulz: Ich hatte einen Vertrag über zwei Platten und für ein drittes Album wie ich es mir vorgestellt habe - also mit einer ganzen Band ins Studio zu gehen - war bei Grand Hotel van Cleef einfach kein Geld vorhanden; die konnten das Projekt "Warten auf den Bumerang" nicht finanzieren. Und so haben wir uns in beiderseitigem Einverständnis getrennt.


Also funktioniert Independent doch nur im kleinen Rahmen und anschließend heißt es Geld gegen künstlerische Freiheit?
Schulz: Künstlerische Freiheit genieße ich auch bei Labels. Bislang konnte ich dort jedenfalls alles machen, was ich wollte. Mir ist das Endprodukt immer wichtiger als die Plattenfirma. Nun ist das Grand Hotel ein sympathisches Label und der Indie-Gedanke ein schöner. Aber die Jungs haben leider auch daran zu knapsen, dass man heute weniger Platten kauft...


Wer warten kann, hat viel getan. Sagt der Volksmund. Viele kennen diese Weisheit scheint's gar nicht mehr und haben sich vor lauter Vorfreude dein neues Album aus dem Netz gezogen. Den Bumerang und reichlich "Hass Hass Hass" gab's dann aber von deinem Alter Ego Bibi McBenson...
Schulz: Das mit der gefakten Platte sollte eigentlich mehr eine Belustigung sein; dass da schon mal etwas von mir in den Tauschbörsen herumschwirrt. Ich wollte die Leute nicht angreifen. Eigentlich war's ja mehr ein Geschenk als alles andere. Ich reg mich nicht darüber auf, dass Platten aus dem Netz gezogen werden - weil du ohnehin nichts dran ändern kannst. Also spiele ich doch lieber ein bisschen damit!


Das heißt, du siehst du die Emule-Problematik gar nicht so eng?
Schulz: Doch, schon. Vor zehn Jahren hätte ich bestimmt das doppelte an Platten verkauft. Aber das ist ein Handicap, mit dem du als Künstler heutzutage leben musst und ich empfinde nichts unangenehmer als Musiker, die sich darüber beschweren, dass ihre Alben gebrannt werden. Gerade bei Leuten wie Jan Delay oder Lars Ulrich - die schon so viel Geld mit ihrer Musik verdient haben - da kommt das besonders unangenehm. So ist nunmal die Zeit, das kann man nicht mehr ändern und muss vielmehr versuchen, seine Vorteile draus zu ziehen.


Obwohl du diese Promo gar nicht mehr bräuchtest - die Kritiker überschlagen sich vom Debüt an. Erst duldet Ironie unversehens Melancholie als Nebenbuhler, nun ist der Un- ist fast ganz dem Tiefsinn gewichen. Woher rührt deine neue oder sagen wir vollmundigere Ernsthaftigkeit?
Schulz: Ich bin auf der Bühne so lustig wie eh und je und hab auch keinen besonderen Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Alle drei Platten haben ihre ernsten Momente; gleichzeitig unterhalte ich die Leute gerne. Letzten Endes mache ich einfach das, worauf ich Lust habe. Und mir stand der Sinn nach einer etwas rockigeren und etwas fordernderen Platte. Das heißt nicht, dass ich künftig nicht wieder mehr spaßige Elemente reinbringe, aber ich möchte nie als reiner Komiker oder Entertainer gesehen werden. Wir sind doch alle tagtäglich schon von so viel Humor umgeben: im Radio, im Fernsehen, überall wirst du momentan geradezu damit bombardiert.


Aber je nach Gemütslage soll ein Olli Schulz beim seinen Auftritten ja auch schon mal mehr geredet als musiziert haben...
Schulz: (lacht) Das kann schon sein. Ich rede eben einfach gerne, erzähle Geschichten und mag diese Mischung auf den Konzerten - sofern es die Atmosphäre hergibt. Andererseits kann ich mich dann auch mal wieder fünfsechs Lieder lang hinter meinen Songs verstecken - ohne den Druck, witzig sein zu müssen.


Deine Stärken sind die Schwächen - welche denn?
Schulz: Dass ich gerne lange im Bett liegen bleibe; gerne auch mal versage, wenn ich merke: "Heute klappt's nicht" und mich trotzdem nicht schlecht fühle; und dass ich mir nicht mehr alles so sehr zu Herzen nehme. Das könnte man jetzt auch als Gleichgültigkeit bezeichnen, aber es ist bei mir eher so, dass ich mittlerweile eine Ruhe in mir gefunden habe, nicht sofort außer Kontrolle gerate, wenn irgendetwas nicht auf Anhieb funktioniert. Ich kann heute ohne Probleme einen halben Tag im Bett bleiben und eine Staffel "24" kucken oder eine andere gute Serie. Einfach an nichts denken und mich beschallen lassen. Das ist eine große Stärke, wenn man auch mal abschalten kann.


Einen wachen Geist kann man dir jedenfalls bescheinigen - wobei sich deine Kritik an den Zuständen vorrangig auf die kleinen Alltagsbrüche bezieht. Wie gesellschaftskritisch siehst du dich eigentlich?
Schulz: Natürlich kommt in meinem Mikrokosmos auch Kritik vor. Man muss sich darüber im klaren sein, was einen selbst beschäftigt. Nur dann kannst du das ehrlich und damit glaubhaft rüberbringen. Klimaschutz ist eine wichtig Sache, aber ich würde niemals ein Lied darüber schreiben. Das bin nicht ich. Ich singe über das, was ich für interessant halte, was ich erlebe.


Siehst du dich als Befindlichkeits-Lyriker?
Schulz: Ne, nicht unbedingt, weil ich viele Dinge auch aus einer Beobachter-Perspektive erzähle. Es ist natürlich in jedem meiner Texte etwas Fiktives, in manchen mehr Persönliches und in anderen, wenigen überhaupt nichts. Es kommt auf die Story an, die mit einem Songtext transportiert wird. Ich würde mich deshalb eher als Geschichtenerzähler bezeichnen.


Auch und vor allem in "Der Moment" geht's um die amouröse Kurzlebigkeit. Bist du ein hoffnungsloser Romantiker?
Schulz: Romantisch auf alle Fälle, hoffnungslos würde ich nicht sagen. Dafür bin ich manchmal fast schon zu nihilistisch angehaucht. Es gibt Tage, da wacht man auf und denkt: "Diese Welt ist nicht mehr zu retten" - und am nächsten wieder wie wunderschön es ist, zu leben und den Moment zu genießen; keine Schmerzen zu haben, mir etwas zu essen kaufen zu können, eine Wohnung zu haben - die kleinen Dinge, denen man sich dann wieder bewusst wird und nicht immer nur danach lechzt, Erfolg und noch mehr Erfolg zu haben. Das ist ja kein natürliches menschliches Bestreben, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Alle Leute hetzen ihr ganzes Leben nach irgendetwas, nach Geld, nach Status - ohne auch nur einmal in sich geruht zu haben. Dabei vergessen sie, was wirklich wichtig ist. Und dazu gehört ganz bestimmt nicht, der erfolgreichste Mensch auf Erden zu werden.


"Ich schau so gern dahin, wo meine Narben sind"?
Schulz: Sozusagen. In "Medizin" geht es um genau diesen Neid in der Gesellschaft. Ob du jetzt Musiker bist oder etwas anderes tust, die Leute gönnen dir nichts. Wir haben hier in Deutschland ein unglaublich großes Konkurrenzdenken und ich empfinde es als ziemlich armselig, wenn jemand sein ganzes Glück einzig und allein daraus bezieht, dass ein anderer gescheitert ist. Jeder von uns fällt oft genug aufs Maul in seinem Leben und sollte deshalb besser auf das schauen, was er selber nicht geschafft hat. Und die besungenen Narben sind eben all die Missgeschicke, die mir so im Laufe der Jahre passiert sind.


Dass du in deinen Jungenjahren gerne mal zur Luftgitarre gegriffen hast, ist kein Geheimnis. Auf deiner "My Space"-Seite sind an zweiter Freundesstelle Slayer gelistet...
Schulz: Okay, die Seite mach ich nicht selbst. Ich hab vom Internet nämlich überhaupt keine Ahnung. Aber ich hab unserem Bassisten gesagt er soll doch bitte mal bei Slayer anfragen.


Wer gehört neben Tom Araya, Dave Lombardo und Kerry King oder auch Brian Wilson und Run DMC noch zu deinen musikalischen Heroen?
Schulz: Metal hör ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so viel. Ich kenn mich da sehr gut aus, weil das jahrelang meine Lieblingsmusik war. Ich kauf mir noch die neue Slayer, die neue Metallica - obwohl die im Gegensatz zu Slayer mittlerweile immer scheiße sind - und vielleicht auch mal Children Of Bodom. Aber ich bin nicht mehr in der Szene. Momentan gefallen mir die Neuen von Wilco, Kings Of Leon oder auch Bonnie Prince Billy. Ich war noch nie sonderlich limitiert in meinem Musikgeschmack. Wenn jemand etwas mit Leidenschaft macht, dann ist es mir fast egal in welche Richtung das geht.


Du bist vor eineinhalb Jahren in die Hauptstadt übergesiedelt. Trotzdem: Hamburg ist viel schöner als Berlin...?
Schulz: Das ist definitiv so. Ich bin meiner Freundin zuliebe umgezogen und auch wenn Berlin eine schöne und interessante Stadt ist, bist du erst mal erschlagen von der Größe. Und die vermittelt dir nicht unbedingt ein heimisches Gefühl. Das dauert. Aber jetzt hab ich 30 Jahre in Hamburg gelebt, da kann man auch mal woanders wohnen. Zumal ich viel unterwegs bin...


Warum kommen eigentlich die besten oder zumindest erfolgreichsten Indie-Formationen aus der luftigen Hansestadt?
Schulz: Tja, gute Frage. Es ist auf alle Fälle so, dass es einen Hamburger Stil gibt, den du sehr oft auch sofort erkennst. Vielleicht liegt's tatsächlich an der frischen Seeluft, wenn man abends am Hafen entlangspaziert und sich inspirieren lässt...


Jedenfalls klingt dein neues Album sehr gereift, stellenweise auch ambitioniert. Wo wird's künftig hingehen?
Schulz: Wir haben drei Platten in drei Jahren gemacht; und jetzt wird's erst mal eine Weile dauern bis wieder etwas kommt. Ich werde sicher kein Free Jazzer, aber mit dem Songwriting weiter experimentieren. Wenn's stagniert, müsste ich aufhören Musik zu machen. Nochmal 'ne Platte mit den gleichen Akkorden, das wird langweilig - auch für mich. Ich bewundere Künstler, die sich weiterentwickeln ohne dass es verkopft oder überambitioniert wird - und hoffe, das gelingt mir auch.

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22. Januar 2007

Des Liedermachers Bierband

Stuttgart - Die Diskussionen ums Kollektiv bewegen dieser Tourtage die Gemüter auf den Konzerten von Götz Widmann, der auf seinem aktuellen Album "Habt euch lieb" in ungewohntem Stile mit Band musiziert. Patrick Wurster traf den Liedermacher am Tag nach seinem "Karlsruhe-Urlaub" im Stuttgarter Musikclub Röhre. Ein Gespräch über den Ausbruch, die ewige Liebe und fickende Tomaten.

Nach der Doppelbelastung mit CD- und DVD-Produktion hast du das Touren als Urlaub bezeichnet. Wie waren denn deine beiden Ferientage in Karlsruhe?
Götz Widmann: Toll - zweimal volles Haus im Jubez! Ein paar Leute haben sich beklagt wegen der Bestuhlung, die wollten lieber Party machen. Aber ich find das gut, wenn sich's abwechselt.


...und die neue Platte ist ja ohnehin etwas gediegener. Entgegen deiner Ankündigung in unserem letzten Gespräch, es würde auf dem "Zeit"-Nachfolger wieder rockiger werden, ist's musikalisch noch verspielter geraten. Götz Widmann und Band - Aus- oder Umbruch?
Widmann:Das war schon eher ein Ausbrechen. Ich muss mich ab und zu selbst überraschen - damit's spannend bleibt!


Langweilt dich Hejananananaheija?
Widmann: Nein, absolut nicht. Das war einfach eine interessante künstlerische Erfahrung mit Band zu arbeiten, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten; hat mir sehr gut getan. Es war aber auch verdammt viel Arbeit und ich könnte das schon deshalb nicht bei jeder Platte. Es kommt ganz sicher irgendwann wieder ein Album in der Art, aber beim nächsten mach ich's mir ganz einfach: Das wird eine Live-CD und dann klingt's wieder so wie immer.


Wie kam es denn überhaupt zu der Idee für eine Bandproduktion?
Widmann: Das ist dem Suff entsprungen. Ich saß mit Heinz Ratz in 'nem Hotelzimmer in Kassel, hatte zuvor Strom & Wasser zum ersten Mal live mit Band gehört - und war total begeistert von dem Sound! Dann sagte ich mir: Das will ich auch haben.



Stilbruch schreit da so mancher - die Diskussionen ums Kollektiv sind auch auf deiner Website längst in vollem Gang...
Widmann: Es gibt eine gewisse Minderheit von Leuten, die mich unbedingt und ausschließlich so hören wollen, wie sie mich von den Konzerten kennen. Ich kann das in gewisser Weise auch verstehen, mir geht's bei manchen Künstlern genauso. Aber da muss man einfach in dem Bewusstsein, es ohnehin nie allen recht machen zu können, das durchziehen, was einen selber glücklich macht.


Schmerzt es dich trotzdem, wenn ein Teil deiner Fans die neue Platte niedermacht - hinter der doch sicher allein aufgrund der vielen Musiker noch weit mehr Aufwand steckt als bei deinen anderen Produktionen?
Widmann: Das war schon bitter... Meine Website ist wie ein Teil von mir und wenn dort auf mir herumgehackt wird, dann ist das fast wie ein körperlicher Schmerz. Es gab da einen Thread bei den Kommentaren, in dem sich die Leute richtig ausgekotzt haben. Der brutalste Hammer kam allerdings per Mail: "Götz du bist total scheiße und du wirst alt und schlecht." Da hatte ich dann schon ein paar Tage Schwierigkeiten mit, ging's mir schlecht. Aber die meisten Zuschriften waren ja positiv. Die Leute mussten sich einfach erst daran gewöhnen, dass es diesmal ein anderer Sound ist.


In "Nüchtern werden auf der Bühne" reflektierst du mit geradezu entwaffnender Offenheit dein eigenes Künstlerdasein und Vergötzung durch die Fans. Trotz deiner ironisierenden Sühne - eine Message an die Fans, dass du die "Weedman"-Ikone gar nicht sein willst?
Widmann: Es gibt schon Momente, in denen mir das auf den Wecker geht. Jeder Mensch möchte auf eine vielschichtige Art und Weise wahrgenommen werden und wenn's zu eindimensional ist, dann wird's irgendwann unangenehm. Das Lied beschreibt aber auch einen sehr krassen Moment: Ich hatte richtig hart zugeschlagen, drei oder vier Nächte durchgesoffen. Und an dem Abend wäre ich viel lieber im Bett geblieben statt auf der Bühne zu stehen. Das sind Momente, da wirst du von deinem Publikum fast erdrückt.


Auch auf deiner neuen DVD "Harmlos" lässt du den Götz hinter Widmann zu Wort kommen. War es nicht zuletzt deshalb ein Anliegen, dich jenseits vom Kult als ganz und gar gewöhnlicher Mensch zu präsentieren?
Widmann: Mir ist es grundsätzlich lieber, wenn ich etwas mehrdimensionaler wahrgenommen werde und mein Bild bei den Leuten nicht auf die "Drogen"-CD beschränkt bleibt. Es hat in den vergangenen Jahren aber auch bei mir eine Entwicklung stattgefunden. Ich bin zwar von meinem Konsumverhalten immer noch der alte Götz Widmann, aber es geht nicht mehr immerzu nur um diese eine Sache. Es gibt darüber hinaus so viele andere schöne Dinge im Leben, die es wert sind, dass man sie thematisiert.


Du lässt dich von der Kamera sogar bis zum Grab deines verstorbenen Kompagnons und Freundes Kleinti Simon begleiten...
Widmann: Das war natürlich der härteste Moment von allen, am Grab von Kleinti. Aber der Holger Brömmel, der den Film gedreht hat, war so oft dabei, dass ich ihn irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen habe - und plötzlich ist die Kamera wie ein guter Freund.


Wie immer man nun zum neuen Sound steht - "Habt euch lieb" hält was der Titel verspricht. Musikalisch wie textlich ist's doch sehr lieblich geraten. Eine bewusste Einseitigkeit?
Widmann: Ich empfinde das überhaupt nicht einseitig. Es ist schon eine Pop-Platte, auf jeden Fall, und das war schon so ein bisschen Absicht. Aber wenn du dir "Zivilisation" oder "Nüchtern werden auf der Bühne" anhörst, das sind krasse Nummern!


Auffällig ist aber, dass du diesmal vergleichsweise viel gescheiterte Beziehungen und das das Alleinsein besingst, dabei auch zuversichtlich dem Neuanfang entgegenschaust. Das ist ja fast schon ein kleiner "Habt mich lieb"-Zyklus...
Widmann: Reiner Zufall, es steckt kein Konzept dahinter. Ich muss mit den Liedern leben, die mir grade so einfallen. Das sind auf "Habt euch lieb" einfach Lieder, die in einer Phase zwischen zwei Beziehungen entstanden sind, wo's mir eher schlecht ging. Da hatten sich im Laufe der Jahre relativ viele Texte angesammelt. Im vergangenen Jahr war ich dann extrem glücklich verliebt und konnte mich endlich den Aufschrieben aus unglücklicheren Lebensabschnitten stellen und die fehlenden Melodien dazu komponieren.


Hast du das Cover-Motiv eigentlich im Supermarkt in der Gemüseauslage gefunden oder selbst herangezüchtet?
Widmann: Weder noch, die fickenden Tomaten hingen an meiner Wand. Das Motiv hat ein Freund von mir fotografiert, der ist eigentlich Bildhauer, hat aber einen Sommer damit zugebracht hauptsächlich Bier zu trinken, Hasch zu rauchen und Tomaten zu züchten - und daraus stammen auch diese beiden wunderbaren Exemplare. Die Fotografie hat mir dann so gut gefallen, dass er mir irgendwann einen großformatigen Abzug zum Geburtstag geschenkt hat. Als ich wusste, dass meine neue CD "Habt euch lieb" heißen soll, hab ich ihn schließlich angerufen und gefragt, ob ich's verwenden darf - und er hat "ja" gesagt.


Wirft man einen Blick auf die Scheibe selbst, dann findet man dort die männliche Tomate vom Booklet wieder, einsam und vergehend - Symbol für einen, der seit der Trennung von der Mutter seiner Tochter ewige Liebe für tragische Utopie hält?
Widmann: Grundsätzlich halte ich es schon für möglich, dass man sich ein Leben lang gerne hat. Man kann so etwas natürlich nicht planen, aber mit meiner momentanen Freundin kann ich es mir vorstellen, sehr, sehr lange zusammenzubleiben. Alleine alt zu werden habe ich jedenfalls nicht vor; aber man sollte in diese Motive auch nicht unbedingt so furchtbar viel hineininterpretieren.


Live spielst du in der Regel noch alles solo. Eine Bandtour soll aber in Planung sein?
Widmann: Die Puristen können sich beruhigen: Ich habe davon wieder Abstand genommen, weil mir das zu viel Organisation ist - ich bin einfach zu faul. Für dieses Jahr habe ich mir nach dem Stress mit CD und DVD vorgenommen, viel weniger zu arbeiten und da wäre eine Bandtour extrem kontraproduktiv. Ich möchte zuhause in meinem Hof sitzen und Songs schreiben - das ist für mich nach wie vor das Allerschönste.

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27. Oktober 2006

Eine Insel mit zwei Zwergen

Esslingen - Es war einmal und ist schon wieder. Weil sie nicht gestorben ist, kommt der Republik berühmteste Herren-WG aus dem finstren Unterwaldt zurück in die Kinos: mit der Zipfelmütze auf dem Haupt und der Zwergen-Mär zweiter Teil im Handgepäck. Patrick Wurster traf Drehbuchautor, Produzent und Ensemble-Mitglied Otto "Bubi" Waalkes vor Filmstart von "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" auf Zwischenstopp in Esslingen. Ein nicht immer ganz ernstes Gespräch über gute Filme, schlechte Filme, Lindenbergs Leidenschaften und den einsamen achten Inselzwerg.

"Männer allein im Wald" - schon der Titel eine Farce, denn knapp sieben Millionen Kinogänger wollten's sehen, obendrein die bestverkaufte DVD aller Zeiten. War der erste Film am Ende sogar so schlecht, dass er vielleicht schon wieder richtig gut ist?
Otto Waalkes: In einer Demokratie gibt es große Parteien und weniger große Randgruppen. Uns geht es da wie jedem Massenprodukt. "7 Zwerge" ist sicherlich ein Konzept, das nicht jedem zusagt - einigen gefällt's und einigen eben nicht. Und das ist auch ganz gut so.


"Zwergen"-Aufstand selbst im Ausland - wie erklärst du dir den grenzüberschreitenden Erfolg eines Films, der doch vornehmlich von seinen nur hierzulande bekannten Gesichtern lebt?
Waalkes: Ich bin da zugegeben selbst ein bisschen überrascht. Aber es sind eben nicht nur die Gesichter. Die Märchenebene funktioniert länderübergreifend. Gott sei Dank, denn solche Filme kosten viel Geld, das muss erst mal refinanziert werden. Da braucht es drei oder vier Millionen Zuschauer, um überhaupt auf Null zu kommen und Deutschland ist ja nicht weltweit - so viel Geld wird hier nicht verdient.

Geben ist ja bekanntlich auch seliger denn... apropos: Deine Zwerge scheuen sich nicht, auch mal einen zotigen Polen-Gag zu reißen. Darf man eigentlich alles und jeden durch den Kakao ziehen oder gibt es für dich auch Tabus?
Waalkes: Also gegen eine gepflegte Sauerei hab ich nie etwas einzuwenden. Und überhaupt - heute gibt es doch kaum noch Tabus. Man müsste sich schon selbst welche herstellen, um sie brechen zu können. Roberto Benignis "Das Leben ist schön" zum Beispiel, das ist KZ-Humor - aber ein wunderbarer Film.

Was bevorzugst du ansonsten privat in Sachen Filme?
Waalkes:
Mein Lieblingsfilm ist "Tote tragen keine Karos". Oder "Drei Amigos". Steve Martin - toll! Wen ich auch sehr mag ist Peter Bogdanovich: "Last Picture Show", "Papermoon", das is so meine Richtung. Aber auch mal ganz gerne "Mrs. Doubtfire" oder "Liar Liar".

Udo Lindenberg, der einen Cameo in deinem neuen Film hat, ist auch ein Filmfreak. Bist du manchmal in seinem Privatkino im Hamburger Hotel "Atlantik"?
Waalkes:
Warst du mal da? Der dreht das Ding auf - da flippst du aus! Dir fallen die Ohren weg! Der is ja schwerhörig der Typ. Aber ich habe mit dem Udo früher mal zusammengewohnt, da hatte der ein Wasserbett. Dann ist er mit Zigarette im Mund eingeschlafen. Und das Ding ist explodiert...

Wie schwierig ist das für jemanden wie dich eigentlich in einer gewöhnlichen Alltagssituationen? Dich nimmt doch keiner mehr ernst, oder?
Waalkes:
Ja, das ist schon richtig. Wenn ich zum Beispiel in Not bin und sage: "Verzeihung bitte, ich hab mich verfahren. Können Sie mir sagen wie ich zur Polizei komme?" dann heißt es nur: "Oddooo, kann ich'n Autogramm haben?" Oder: "Kuck mal, der Otto ist traurig - wie lustig!" Es gab da mal so 'ne Geschichte aufm Friedhof. Da war ich am Grab meines Vaters und dann kommen ein paar Kinder - Autogramme geben, Fotos machen. Holarähidi! Kannst ja nicht sagen "Tschuldigung Kinners, ich trauere hier gerade, geht mal weg." Aber ich kann da ganz gut mit umgehen.

Siehst du eigentlich einen Unterschied zwischen den Komikern von früher und den Comedians von heute?
Waalkes: Das ist nur eine andere Bezeichnung. Diese Leute hat es immer schon gegeben, nur dass die früher nie die Möglichkeit hatten, sich so ausgiebig zu entfalten. Das hat sich aufgrund der vielen Fernsehsender drastisch geändert. Comedians können sich ganz anders und viel öfter präsentieren und so lernt man sie kennen. Nur mal zum Vergleich: Ich habe früher mit zwei Sendern eine "Otto"-Show pro Jahr gemacht.


Wie ist das eigentlich für dich als originärer Bühnenkünstler, wenn du ohne Publikum vor einer Kamera stehst?
Waalkes: Das ist genau das Problem beim Filmemachen. Helfen können da nur Erfahrungswerte, wenn du ein Drehbuch schreibst wie ich bei "7 Zwerge". Aufgrund deiner Bühnenerfahrung weißt du, wie und ob dieser oder jener Scherz ankommen könnte. Denn vor der Kamera kannst du ohnehin keine Dramaturgie mehr entwickeln. Da sitzt du dann zehn Stunden rum und davon werden am Ende vielleicht 90 Sekunden genommen; und das Tag für Tag, so'n Dreh dauert 60 Tage um 90 Minuten zu kriegen. Das läuft dann so: "Toktoktok - Herr Waalkes bitte"! "Holarähidi!" "Danke. Umbaupause, eine Stunde." Da wirst du verrückt! Und aus diesen ganzen Puzzleteilchen setzt du dann nachher dieses Gesamtkunstwerk zusammen, machst ein paar Screenings zwischendurch, weißt aber letzten Endes doch erst bei der Premiere wie's ankommt. Ganz, ganz schwierig.


Ist es von dieser Seite betrachtet auch mal eine willkommene Abwechslung nicht mit dem Otto-Gesicht über die Leinwand laufen zu müssen und komplett in eine fremde Haut zu schlüpfen, wie zum Beispiel in "Ice Age"?
Waalkes: Nun, es ist auf alle Fälle eine große Herausforderung, einem Charakter mit deiner Stimme etwas mitzugeben. Dann kommen hinterher die Kinder und sagen: "Komm Otto, mach mal Sid!" Und dann mach ich eben: "Hallo wo seid ihr alle? Manni? Wer ausstirbt sollte nicht so wählerisch sein." Synchronsprechen ist nicht einfach. Beim Original wird erst der Text aufgenommen und dann modellieren sie die Figuren drumrum. Aber wir müssen uns umgekehrt lippensynchron auf eine bereits bestehende Bewegung einstellen.


Bei Filmen wie "Ice Age 2" oder auch dem "7 Zwerge"-Sequel kannst du einem Kinostart ganz entspannt entgegenschauen. Das war bei deinem ersten "Otto"-Film noch ganz anders...
Waalkes: ...ging aber bekanntermaßen alles gut und besser. Plötzlich bist du noch berühmter als vorher. Du siehst dich zum ersten Mal ganz groß auf der Leinwand, die Leute stehen Schlange für deinen Film, du wirst auf der Straße angesprochen und genießt die Popularität - das ist unheimlich schön!


Didi Hallervorden hat sich eine Insel gekauft, weil er keine Lust mehr auf die Leute hat. Das könntest du dir doch sicher auch leisten...?
Waalkes: Ja schon - aber was soll ich auf 'ner Insel mit Dieter Hallervorden?! Na das fehlt mir noch! Und vor allem: Was würde meine Frau dazu sagen...? Nein, ich will auf der Bühne sterben - aber ich weiß nicht, ob es für diese Vorstellung noch Karten gibt.

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4. Dezember 2005

Was hätte er denn tun sollen

Karlsruhe - "Es ist besser für das was man ist, gehasst, als für das was man nicht ist, geliebt zu werden." Sagte einmal der französische Schriftsteller André Paul Guillaume Gide, singt Marcus Wiebusch 2005. Doch um die Befindlichkeit seiner Band Kettcar muss er sich derzeit wahrlich keine Sorgen machen. Vor dem Konzert in der Durlacher Festhalle unterhielt sich der Frontmann mit Patrick Wurster über Indie-Spatzen und Pop-Tauben, Grand Hotel-Dächer und Signing-Händchen. Und den gebrochenen Daumen von Carlos Santana.

90.000 verkaufte Kettcar-Alben, die Hansen Band in den Charts - momentan könnt ihr machen was ihr wollt, seid Everybody's Darling. Wart ihr einfach nur zur richtigen Zeit mit den richtigen Produkten auf dem Markt? Denn plötzlich lieben die Leute das, was ihr im Grunde schon seit jeher bei Rantanplan oder But Alive gemacht habt...
Marcus Wiebusch: Das würde ich so nicht sagen. Ich finde schon, dass But Alive und Kettcar zwei sehr unterschiedliche Bands sind. Das Besondere an But Alive war, dass wir wesentlich punkiger und wesentlich politischer waren und viel mehr jene Dinge thematisiert haben, die uns Anfang der 90er wichtig erschienen. Kettcar dagegen haben einen sehr poppigen, sehr lyrischen Weg eingeschlagen.


Und der gipfelt in Betitelungen wie "Supergroup des German Indie-Rock" und "Vorzeigeband" einer angeblich wiederbelebten Hamburger Schule. Wer in der Presse auftaucht, bekommt ein Etikett verpasst. Aber "wieso eigentlich Indie-Charts, Digger"?
Wiebusch: Ich weiß natürlich, dass in unserer Musik jede Menge Independent-Elemente mit drin sind. Aber wir bezeichnen das gar nicht mal als Indie-Rock. Das ist einfach nur Pop. Und dieses Schlagwort ist für mich nicht negativ belegt, zumindest nicht durchweg. Das lateinische "populare" sagt nicht mehr als "allgemein verbreitet". Wir machen Musik für alle, ohne elitäres Denken. Da kann's natürlich ganz schnell passieren, dass du im Mainstream schwimmst. Aber ich finde nichts spießiger als sich irgendwelche Etikettierungen zu verpassen und dann so eine kleine Szene herbeizuphilosophieren. Beim Punk hab ich das jahrelang gemacht. Und ich weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass da ein ganz schön engstirniges, dogmatisches Süppchen gekocht wird. Hatte ich keine Lust mehr zu. Wenn ihr ihm einen Namen geben wollt, dann gebt ihm einen. Aber man fragt sich natürlich schon, was einer beabsichtigt, wenn er uns zur Hamburger Schule dazusteckt. Entweder er ist dumm oder er ist gehässig oder er will irgendwas nicht wahrhaben.

Dann schnell zu den Wahrheiten um dein Label Grand Hotel van Cleef - eine Firma von Freunden für Freunde. Keiner wollte sie produzieren, also machen sie's selbst. Und siehe da: Es funktioniert prima! Wie blauäugig ist es, das Ganze im Nachhinein auf die schöne Mär von den fünf verkannten Musikern runterzubrechen, die es gegen alle Widrigkeiten des Business dennoch geschafft haben?
Wiebusch: Was heißt blauäugig - es ist leider auch was Wahres dran... Wir sind mit unserer ersten Platte 2002 bei allen großen Labels vorstellig geworden. Keiner wollte uns, keiner wollte diese Platte rausbringen; dieselbe Platte, die später allerorten umjubelt wurde. Wir wissen das natürlich zu würdigen. Die Begeisterung bei Konzerten ist das Unfassbarste was uns an Zuneigung entgegen gebracht wird. Aber auf die ganzen guten Kritiken habe ich mit meinen 37 Jahren einen sehr abgeklärten Blick. Ich durfte bei But Alive miterleben wie schnell diese medialen Strömungen wieder umschlagen können.


Und wie schwimmt man nun gegen den Strom ohne dabei unterzugehen?
Wiebusch: Um nach oben zu kommen braucht's Einstellung und Power. Und für dieses Visionäre - also ohne zu wissen, ob es auch wirklich funktioniert, und dennoch alles was du hast, reinzuschmeißen - muss man sich schon sehr hart rannehmen. Aber wir drei (Anm.: die GHvC-Mitbegründer Thees Uhlmann von Tomte und Kettcar-Bassist Reimer Bustorff) haben da nicht nur etwas für uns geschaffen, sondern auch für das Bewusstsein der Musiker: Im Zuge des Grand Hotel van Cleef-Erfolges hat es in Hamburg 2003 eine Schwemme an so genannten Artist-Own-Labels gegeben, also Künstler, die ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Du musst nicht immer jeden Scheiß-Vertrag unterschreiben. Du kannst das selber, auch wenn wir vom Dreck umgeben sind. Ich würde heute Abend viel lieber da rausgehen und euch eine bessere Gesellschaft anbieten. Aber ich kann euch sagen: Wenn ihr ein paar Freunde findet, setzt eure Visionen um von 'nem selbstbestimmten Leben. Wir ham's gemacht. Und es geht.


"Unsere dümmliche Unschuld hat uns verdammt weit gebracht", hat dein Freund und Kompagnon Thees Uhlmann die aufkommenden Zweifel an der Gelassenheit ums Label kommentiert. Kann man mit solch einer Attitüde kalkulieren?
Wiebusch: Das macht das "X" in der ganzen Sache größer. Du weißt nicht genau, wie du das Geld zusammenbekommst oder zurückzahlen sollst. Wenn Kettcar nicht funktioniert hätte, dann wären wir richtig geil verschuldet gewesen. Und das ist eine dümmliche Unschuld. Du weißt nicht wie, aber du machst einfach. Mit Glauben und Willen.


Die klassischen stürmischen Rock 'n' Roll-Jugendjahre habt ihr hinter euch bringen müssen ohne dass der Durchbruch gelingen wollte. Aber kommt der jetzige Erfolg in den gesetzten 30ern nicht just zu rechten Zeit?
Wiebusch: Der Vorteil ist natürlich, dass du nicht mehr durchdrehst, kannst alles total realistisch einschätzen. Das ist super angenehm. Da ist auch keiner mehr abgedreht als wir zum ersten Mal bei "Rock am Ring" 50.000 Leute in Grund und Boden gespielt haben. Bei jüngeren Bands geht das viel mehr ins Bewusstsein, dieses Selbstzerstörerische, dass sie meinen plötzlich alles zu können. Dazu sind wir viel zu abgeklärt. Wir setzen uns dann Backstage zusammen, trinken Bier und sagen: "Ham wa gut gemacht!" Und das tun wir heute Abend auch. Da sind wir alte Männer, die das einfach richtig gut finden. Natürlich erleben auch wir unsere Kicks, aber diese Höhepunkte werden nicht mehr so unreflektiert, dumm ausgelebt. Auf der anderen Seite fühlt man sich oft ein bisschen müde von dem Leben auf Tour. Ich war zum Beispiel heute auch schon wieder anderthalb Stunden E-Mails abarbeiten. Warum? Weil ich 'nen Job hab: Mein Label, das mir meine Zukunft auch längerfristig sichern soll. Und ganz ehrlich, ich wünschte manchmal das müsste ich nicht. Und in jüngeren Jahren musste ich das auch nicht. Aber insgesamt genieße ich es dennoch sehr, dass der relative Erfolg eben erst jetzt gekommen ist.


Und das bei einer absoluten Entscheidungsmaxime, die da lautet: Gemacht wird was gefällt. Kritiker überschlagen sich zurecht, die neuen Alben von Olli Schulz, Maritime oder der Hansen Band sind nur die jüngsten Beispiele. Purer Zufall, das bessere Händchen oder systematische Unterwanderung, indem man sich einfach in die richtigen Positionen bugsiert - etwa indem Thees für den "Musikexpress" schreibt?
Wiebusch: Dieses Guerilla-Marketing kannst du nur bedingt betreiben. Fakt ist einfach, dass wir offensichtlich mit ein bisschen Glück aber mit viel Instinkt Bands signen können. Ich will mich jetzt nicht so doll nehmen, aber keiner hat Tomte erkannt bis ich sie bei meinem ersten Label BA-Records unter Vetrag genommen habe. Da denkst du: "Seid ihr alle taub - das ist doch was!" Und bei Death Cab For Cutie war's genauso.


Wirklich kein Groll, dass die Jungs eurem Label den Rücken gekehrt haben?
Wiebusch: Überhaupt nicht! Wirklich, das sehe ich total entspannt. Mir war irgendwie schon klar, dass man sie aufgrund dieses unfassbaren Erfolges in den USA sowieso nicht halten kann. Die verkaufen 200.000 auf so einem kleinen Label wie unserem, da stehen alle Schlange. Und dann legt man ihnen einen Kontrakt vor mit dem vier erwachsene Menschen ausgesorgt haben. Für den Rest ihres Lebens. Da unterschreibst du doch! Und wer's nicht tut, ist vielleicht noch von so einem Indie-Mythos umnebelt und fürchtet, dass er sich verraten würde. Aber ich glaube auch die Majors haben mittlerweile kapiert, dass du große Künstler wie Death Cab For Cutie einfach machen lassen musst. Und die neue Platte ist ja auch super.


Kam kein einziges Mal der Gedanke auf, das Grand Hotel ein wenig "aufzustocken", wieder mehr auf dümmliche Unschuld zu machen, um die Jungs mit allen Mitteln zu halten?
Wiebusch: Das sind natürlich die Fragen, mit denen wir uns auch immer wieder rumschlagen. Aber wir erwarten, dass wir irgendwann wieder zurückgeworfen werden; uns einmal verhauen mit unseren Signings. Deshalb wollen wir momentan nicht wachsen. Und dann sind wir schließlich auch noch Musiker und schon das allein steht einem Wachstum entgegen. 2006 werd ich ganz, ganz wenig im Label machen, weil ich neue Songs schreiben möchte.


Und bei denen braucht's bekanntlich stets ein wenig Konzentration oder die entsprechenden Lebensumstände, um deinen Metaphern auf die Schliche zu kommen. Viele sagen, wer beim deutschen Indie-Rock nach dem Sinn im Gesungenen heischt, trägt auch Holz in den Wald - pardon, die Taube aufs Dach natürlich...
Wiebusch: Also diesen Vorwurf kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Wo steht bitte um alles in der Welt geschrieben, dass Texte eins zu eins zu verstehen sein müssen?! Was ist das denn anderes als Lyrik? Lyrik ist einfach nur eine Aneinandereihung von Wörtern mit dem Ziel, dem Gegenüber ein neues Gefühl von Sprache und eine neue Sicht auf Worte zu geben. Lyrik ist nur ein Vorschlag, meine Texte sind nur Vorschläge: Ich gebe dir Wörter an die Hand, die kannst du gut oder schlecht finden. Du musst sie dazu nicht verstehen. Und selbst wenn du sie nicht verstehst, können sie trotzdem richtig, richtig geil sein. So ist das jedenfalls bei mir. Ich bin ein großer Fan von Blumfeld und mich haben die Texte immer begeistert - obwohl ich nie alles verstanden hab. Es wird in meinen Texten immer diese Art Lyrik geben, bei der ich ganz genau weiß worum es geht. Und die 1.000 Leute in der Halle eben nicht. Erst dann erschließen sich für den Hörer neue Welten, setzt sich dein Geist in Bewegung. Und wenn ich dann mal zu plump bin, wie bei der Zeile "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen", und die Leute sagen "Das ist jetzt aber unnötig kompliziert ausgedrückt", dann habe ich's nicht richtig gemacht. Aber oft gelingt es mir offensichtlich das ein bißchen raffinierter zu verpacken. So, dass die Leute sich berührt fühlen. Denn darum geht es letztendlich. Musik sollte immer berühren. Ich hab so viele Interpretationen meiner Texte aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln gekriegt, dass ich damit nie aufhören werde. Ich sag nicht den Satz um des Satzes Willen - was viele andere deutsche Gruppen machen. Und genau das ist das Besondere an unserer Musik. Wenn du einfache Lösungen und Wahrheiten willst, musst du die anderen Bands anhören.


Aber du verbindest schon immer konkrete Erlebnisse mit einem Text?
Wiebusch: Ja klar. Sogar bei "Landungsbrücken raus", den viele überhaupt nicht verstehen. Ich könnte jede Zeile in jedem Lied erklären. Aber ich mach's nicht. Weil ich dir die Projektion nicht rauben will.


Liege ich daneben, wenn ich behaupte, dass "Von Spatzen und Tauben" sehr viel melancholischer ausgefallen ist als euer Debüt "Du und wieviel von deinen Freunden"?
Wiebusch: Melancholischer...?


Wenn ich an "Balu", "48 Stunden", "Anders als gedacht" oder "Tränengas im High-End-Leben" denke, könnte man etwa in einer Trennungsphase schon viel rausziehen...
Wiebusch: Kuck mal an! Viele Leute sagen, dass das erste Album bei einer Trennung besser reinläuft. Aber da liegst du nicht falsch und nicht richtig mit. Du empfindest das einfach so. Es wird auf jeder Kettcar-Platte eine gewisse Grundmelancholie geben. Das wird wohl immer so sein - auch wenn uns die Sonne aus dem Arsch scheint.


Apropos Sonnenseiten: Seit "Keine Lieder über Liebe" steht ihr nun endgültig mit einem Bein im schnelllebigen Mainstream. Überrascht von der Sogwirkung?
Wiebusch: Das ist eine völlig verzerrte Wahrnehmung. Was mir "Keine Lieder über Liebe" gebracht hat, ist die Erkenntnis, dass diese ganze Promotion-Maschinerie nur Schall und Rauch produziert. Promo ist nix, Fans sind alles. Meine Nachbarin würde sich nie ein Kettcar-Lied anhören, aber wegen des Films spricht sie mich an. Dabei ist die Hansen Band nicht mal halb so erfolgreich wie Kettcar. Wir verkaufen viermal mehr Platten, waren viel höher in den Charts. Versteh mich nicht falsch, "Keine Lieder über Liebe" ist ein gutes Album geworden. Und ich weiß, dass es sich auch in fünf Jahren noch verkaufen wird. Aber ich weiß auch, was es heißt, wenn du so plötzlich nach oben gehypt wirst: Nämlich gar nichts.


Weit weniger überraschend war für viele die Erkenntnis, dass ein Jürgen Vogel nicht singen kann. Man mag dem Hansen-Frontmann bei den im Studio zurechtgepegelten Songs zum charismatischen Gebiss ja noch die entsprechende Gesangsstimme attestieren. Aber im direkten Vergleich ist es doch keine Frage wer vorne liegt, wenn Kettcars "Was hätten wir denn tun sollen" gegen den Hansen-Klon "Strand" antritt. Denkst du nicht manchmal auch: Ach, hätte ich's doch selber gesungen..."?
Wiebusch: Jetzt wirst du aber hart. Ein ganz klares "Nein!". "Was hätten wir denn tun sollen" war der einzige Song, der schon vor "Keine Lieder" existiert hat. "Kreisen", "18. Stock" und "Sinkflug" habe ich hingegen eigens für Jürgen Vogels Filmcharakter geschrieben. Und damit war klar, dass ich sie nicht singen kann. Von dem Gedanken habe ich mich schon beim Komponieren verabschiedet. "Adieu, Marcus", hab ich gedacht...


Aber vielleicht können wir schon bald "Hello Hansens" sagen. Man munkelt ihr gebt demnächst einen Gig in Karlsruhe?
Wiebusch: Wir spielen ja im Dezember noch drei Shows mit der Hansen Band und ich wünschte Karlsruhe wäre dabei gewesen. Aber es ist - aus welchen Gründen auch immer - Darmstadt geworden. Und wenn ich diese Tour hinter mir habe, dann ist eh erst mal für Monate Schluss!


Auch für die Hansen Band?
Wiebusch: So weit ist es noch nicht. Der Jürgen hat ja dermaßen Bock, weiterhin Musik zu machen. Aber Thees wird im Frühjahr mit der neuen Tomte-Platte genug zu tun haben, Max Martin Schröder geht mit seinem Soloprojekt ins Studio - vor Sommer ist mit der Hansen Band nicht zu rechnen. Aber wenn im August einer kommen sollte und sagt: "Hey, lass uns doch hier oder da mal ein Benefiz-Konzert spielen oder sogar 'ne kleine Club-Tour machen", wäre ich sofort dabei.


Hoffentlich gilt das auch für die Karlsruher Fanfrage. Du willst deine Texte zwar nicht erklären, aber was hat es bitteschön mit dem wichtigsten Finger von Carlos Santana auf sich?
Wiebusch: (lacht) Der Text